Ärger über Absage von Seminar | Gesetze gelten nicht für die Caritas?

Liane Pircher von der Tiroler Tageszeitung (Journalistin des Jahres 2021) berichtet vor zwei Stunden in der Tiroler Tageszeitung über ein besonders krasses Beispiel eigener Gesetzesauslegung bei der Caritas folgendes, vielen Dank für das Aufmerksammachen auf diese Ungeheuerlichkeit.


Innsbruck

Mitte März wäre im Innsbrucker Haus der Begegnung ein Seminartag zum Thema Sterbeverfügungsgesetz geplant gewesen. Nun wurde dieser gecancelt. Für die beiden Hauptreferentinnen kam die Absage völlig unerwartet und ohne nachvollziehbare Begründung.

Geladen gewesen wären die Innsbrucker Palliativmedizinerin Dr.in Christina Kaneider und die diplomierte Krankenschwester DGKP Maria Sachsenmaier. Beide haben Erfahrung und Expertise, wenn es um die Thematik Sterbeverfügungsgesetz und Begleitung von assistiertem Suizid geht. Warum die plötzliche Absage?

So wie es aussieht, hat man beim Bildungszentrum der Caritas aus ideologischen Gründen die Reißleine gezogen. Auf TT-Anfrage entschuldigt sich Caritas-Direktorin Mag.a Elisabeth Rathgeb für die kurzfristige Absage. Das Aus für den Seminartag habe damit zu tun, dass sich u.a. die Palliativmedizinerin eindeutig pro assistiertem Suizid positioniere:

Aufgrund der unterschiedlichen Positionen im Zusammenhang mit Hospiz- und Palliativmedizin haben wir uns entschlossen, die Zusammenarbeit noch vor dem Start zu beenden.

so Rathgeb. Nachdem wie üblich ein externer Anbieter organisiert hat, wurde die Referentenliste zunächst übersehen.

Sehr irritiert über die plötzliche Ausladung zeigt sich die betroffene Palliativmedizinerin:

Fakt ist, es gibt ein Sterbeverfügungsgesetz. Mir wird Lobbyieren unterstellt. Dabei geht es darum zu vermitteln, dass wir in Österreich die Möglichkeit der persönlichen Gestaltung des Lebensendes haben. Hier wäre es um eine Info für die Bevölkerung gegangen.

Die Caritas bleibt beim Aus für das Seminar.


Natürlich, die Caritas Österreich lehnt Sterbehilfe und assistierten Suizid ab und setzt sich stattdessen für Palliativ- und Hospizversorgung ein. Es gab bislang keine öffentlich dokumentierten Fälle, in denen die Caritas Veranstaltungen zur Befürwortung oder Aufklärung über assistierten Suizid untersagt hat. Stattdessen organisiert die Caritas Gegenveranstaltungen, die sich mit der Trauerbewältigung nach Suizid befassen und Unterstützung für Hinterbliebene bieten;

Begleitete Gruppe für Trauernde nach dem Suizid eines nahestehenden Menschen: Diese Gruppe bietet einen geschützten Rahmen für den Austausch über den Verlust und die damit verbundene Trauer.

Feier im Gedenken an Menschen, die durch Suizid verstorben sind: Eine Gedenkveranstaltung mit Ritualen, Texten, Musik und Gesprächen, die den Hinterbliebenen Raum für ihre Trauer bietet.


Und hier der Radio-Athikan-Podcast vom letzten Jahr zum gleichen Thema:

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