Darwin Day 2025 III: The Missing Link

Zusammenfassung

1859 veröffentlichte Charles Darwin seinen, die damalige Wissenschaft und das Menschenbild in den Grundfesten erschütternde, Werk On the Origin of Species. Das Werk wurde sowohl von der Wissenschaft als auch der Kirche bekämpft.

1861 wurden in Bayern die Knochen eines Archaeopteryx in einem Steinbruch entdeckt. Dieser kleine Flug-Dinosaurier war der fehlende Missing Link zwischen den Dinosauriern und den Vögeln. Fakten und Wissenschaft trafen auf Glaubensgrundsätze und religiöse Gefühle. Seit seiner Entdeckung schufen Kreationisten einen Betrugsmythos rund um den Archaeopteryx.

Worum geht es dem internationalen Darwin Day?

Happy Birthday Charles Robert Darwin (1809 – 1882). Mit dem International Darwin Day wird am 12. Februar einer der großen britischen Wissenschaftler und Naturforscher des 19. Jahrhunderts gefeiert. Immerhin hat wohl kaum eine Theorie unser modernes Weltbild so stark geprägt wie die in Darwins Über die Entstehung der Arten (englisch: On the Origin of Species) ausformulierte Evolutionslehre.

PAUL D STEWART / SCIENCE PHOTO LIBRARY

Charles Darwin kam am 12. Februar 1809 als fünftes Kind von Robert Darwin und seiner Ehefrau Susannah zur Welt. Damals ahnte das Ehepaar mit Sicherheit nicht, dass ihr Sohn als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler in die Geschichte eingehen würde. Erst recht nicht, dass ihm in der Folge auch ein eigener Feiertag gewidmet ist.

Der erste Darwin Tag fand am 22. April 1995 an der kalifornischen Stanford University statt. Unter der Leitung von Dr. Robert („Bob“) Stephens sollte eine Vorlesung durch die Humanist Community Stanford eine Vorlesung zu Ehren Charles Darwins gehalten werden.

Titel dieses Vortrags: Darwin and Human Origins, Referent: Dr. Donald Johanson, Entdecker des Skeletts Lucy, dass der weltweiten Öffentlichkeit später bekannt wurde.

Eine Rekonstruktion des Skeletts „Lucy“ und Entdecker Donald Johanson im Frankfurter Senckenberg-Museum (picture alliance/Silas Stein/dpa)

Aufgrund des großen Erfolgs der Vorlesung beschloss Stephens, diese Veranstaltung regelmäßig an Darwins Geburtstag zu wiederholen. Seitdem folgten viele Universitäten dem Beispiel der Stanford University und würdigen heute Darwins Beitrag zur Wissenschaft. Weiterhin soll mit dem Darwin Day der Öffentlichkeit die zentrale Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnis näher gebracht werden.

Neben der Ehrung von Darwins wissenschaftlicher Leistung und Werk steht seit einigen Jahren aber auch ein anderer Aspekt im Vordergrund: Denn als Gegenbewegung zum Kreationismus wird der Darwin Day auch von zahlreichen Atheisten als wissenschaftlich begründeter Feiertag genutzt, um so ein notwendiges Gegengewicht zum wieder erstarkten Einfluss religiösen Denkens in der Gesellschaft zu positionieren.

Vor diesem Hintergrund verstehen auch die Organisatoren des Darwin-Tags dieses Datum als Versuch, einen über die Grenzen ideologischer und religiöser Weltanschauungen hinausgehenden, den einigenden Charakter der wissenschaftlichen Erkenntnis betonenden internationalen Feiertag zu etablieren. Vernunft und Empirie dienen, ganz im Sinne der Aufklärung, als zentraler Akt der menschlichen Verständigung.

In diesem Sinne: Happy Birthday Charles Darwin und Euch allen einen tollen Darwin Day. 🙂


Missing link Archaeopteryx

1861 wurden nur zwei Jahre nach Darwins bahnbrechenden Entdeckungen in der Fränkischen Alb in Bayern die Knochen eines unscheinbaren Geschöpfs entdeckt, dass Darwins Theorie stützen und die Kirche noch weiter erzürnen sollte. Der als “Urvogel” bezeichnete gefiederte Dinosaurier Archaeopteryx stellte die fehlende Verbindung zwischen den Dinosauriern und den modernen Vögeln her.

Archaeopteryx, Londoner Exemplar mit gut erhaltenen Federn. Foto: unbekannt / Public Domain

Der vor 150 Millionen Jahren lebende Archaeopteryx gilt als Übergangsform zwischenden frühen theropoden Dinosauriern und den Vögeln. Der etwa rabengroße Archaeopteryx wird in der Regel den Vögeln als ursprungsnahe Form zugerechnet und gilt somit als deren Stammvater. Dadurch sind alle Vögel Dinosaurier.

Nach seiner Entdeckung wurde der Stammvater der Vögel sofort zu einem Vorzeigestück der Evolutionstheorie. Das Naturhistorische Museum Basel schreibt hierzu exemplarisch auf einer Schautafel:

Dieser Urvogel konnte die Flügel noch nicht so stark an den Körper falten wie die heutigen Vögel. Er hat das Skelett einer Echse und die Federn eines Vogels. Damit ist er das perfekte Bindeglied zwischen Reptilien und Vögeln.

Lebendrekonstruktion im Naturhistorischen Museum Basel (2022). Foto: unbekannt / CC BY-SA 4.0

Archaeopteryx, Brückentier zwischen Vögeln und Reptilien. Foto: Eigendarstellung


You are Fake News!

Für die Kreationisten ist jede Art von Lebewesen Handmade by God. Dadurch war der Urvogel dieser Gruppe ein großer Dorn im Auge. Und selbst heute noch gibt es Fundamentalisten, die der widerlegten Legende anhängen, dass die Federn des Archaeopteryx künstlich in den Stein gekratzt wurden. Dafür sind manche Kreationisten der festen Überzeugung, dass Noah Dinosaurier und Einhörner auf seiner Arche mitgenommen hat.

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1985 zweifelte der angesehene Astronom Sir Fred Hoyle die Echtheit des wohl wertvollsten Objekts in den Sammlungen des heutigen Londoner Naturkundemuseums (NHM) an. Als die Behauptung weltweit für Schlagzeilen sorgte, war die Hölle los. Das 147 Millionen Jahre alte Fossil des Archaeopteryx ist auf zwei Gesteinsplatten aufgeteilt – was Experten als „Teil und Gegenstück“ bezeichnen. Wenn Sie Ihren Blick zwischen den beiden Teilen hin- und herbewegen, werden Sie eine außergewöhnliche Mischung von Merkmalen sehen – mit Zähnen, Schwanz und Händen eines Reptils, aber auch mit Querlenkern, Füßen und einem spektakulären Federkleid, das einfach „Vogel“ schreit. Und es waren diese Federn, die Sir Fred nicht akzeptieren konnte.

Er nahm sie mit einer Spiegelreflexkamera aus allen Blickwinkeln auf und verkündete im Journal of Photography, dass es sich wahrscheinlich um absichtliche Abdrücke in einer Art Kalksteinzement handelte, der auf ein echtes Dinosaurierexemplar aufgetragen worden war. Das Museum war darüber sehr verärgert und reagierte mit einer detaillierten Analyse in der Zeitschrift Science. Das musste es auch.

Archaeopteryx lithographica might be regarded as the most important zoological species known, fossil or recent. Its importance lies not in that its transitional nature is unique—there are many such transitional forms at all taxonomic levels—but in the fact that it is an obvious and comprehensible example of organic evolution. There have been recent allegations that the feather impressions on Archaeopteryx are a forgery. In this report, proof of authenticity is provided by exactly matching hairline cracks and dendrites on the feathered areas of the opposing slabs, which show the absence of the artificial cement layer into which modern feathers could have been pressed by a forger.

Sir Fred stand im Rampenlicht, und wenn die Idee einer Fälschung eines Übergangsfossils unwidersprochen bliebe, würde der Archaeopteryx schnell zu einer Causa für die Anti-Evolutionsbewegung werden. Und man darf nicht vergessen, dass das Museum Schauplatz der vielleicht größten Fossilienfälschung aller Zeiten war – des Piltdown-Menschen. Die BBC berichtete über den Betrug, ein deutschsprachiger Artikel erschien bei Spektrum. Die Anschuldigung des Astronomen konnte nicht hingenommen werden.

Rekonstruktion des Piltdown-Menschen aus dem Jahr 1913 von A. Forestier.

© TopFoto / United Archives / picture alliance (Ausschnitt)

Die „Beweise“ für eine Fälschung waren eigentlich recht einfach zu entlarven. Mikroskopische Untersuchungen zeigten, dass Haarrisse in den Federn, die auf den Spiegelreflexbildern nicht sichtbar waren, auf dem Teil und dem Gegenstück übereinstimmten. Das Gleiche gilt für die Verzweigungen der Mangankristalle, die sich durch das Gestein ziehen.

Aber es gab einen Test, den das NHM damals nicht richtig durchführen konnte, den es aber heute durchführen kann. Nämlich die beiden Hälften des Fossils wieder zusammenzubringen, um zu zeigen, dass sie perfekt zusammenpassen. Die Hinzufügung eines falschen Kalksteinsockels für die Federabdrücke dürfte dies unmöglich machen, da die Form der Platten dadurch verändert worden wäre. Das Museum hat es Ende der 80er Jahre zwar mit sorgfältig angefertigten Abgüssen versucht, aber diese können die Präzision moderner digitaler Techniken nicht wiedergeben. Und so wurden die beiden Hälften des Archaeopteryx während der jüngsten Restaurierungsarbeiten in einen Laserscanner gelegt. Und siehe da, das virtuelle Teil und das Gegenstück gehen nahtlos in einem Maßstab zusammen, der in Mikron (Tausendstel Millimeter) gemessen werden kann.

Dieser Laserscan ist nur ein weiteres Puzzlestück, das widerlegt, was Sir Fred über den Archaeopteryx geschrieben hat.

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