Digitale Parallelwelten & Desinformation

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Seit 2003 lese ich BASIC thinking, den Blog von Robert Basic. Der ist am 2.11.18 gestorben, und ich lese den Blog immer noch, weil er das beste Informationsmedium über Social Media ist. Hier eine aktuelle Zusammenfassung von drei Artikeln, auf die Frage hin, wie denn die Fake-Accounts so reichweitenstark werden konnten.

Und Lügen geprüfte Realität werden können.


Parallelwelten | Wie sich unbemerkt gefährliche Filterblasen bilden

Soziale Medien sind darauf ausgelegt, dass sie uns Inhalte zeigen, die uns gefallen. Dadurch entstehen unbemerkt digitale Parallelwelten, in denen Menschen radikalisiert und anderslautende Meinungen ausgeblendet werden. Das ist gefährlich. Ein kommentierender Erfahrungsbericht.

Die sozialen Medien bestimmen seit mehr als zwei Jahrzehnten unser Leben. Auch wenn es nicht immer so präsent ist: LinkedIn, Facebook und Instagram sind teilweise schon seit über 20 Jahren als Apps und digitale Anwendungen vertreten.

Eines der größten Erfolgsgeheimnisse der Plattformen besteht darin, dass sie einerseits Menschen miteinander vernetzen – entweder privat oder beruflich, um die eigene Karriere voranzutreiben.

Die Analyse unseres digitalen Verhaltens

Andererseits schaffen es sozialen Netzwerke, dass sie uns an sich binden. Will heißen: Die Algorithmen sind darauf ausgelegt, dass wir möglichst viel Zeit auf Instagram, TikTok und Co. verbringen.

Und wie gelingt das? Ganz einfach: Ind em die Plattformen unser Verhalten auf den Plattformen und im Internet verfolgen, analysieren und daraufhin die ausgespielten Inhalte an unsere (wahrscheinlichen) Interessen anpassen. Das nennt sich im Fachjargon dann Tracking und Targeting.

Meta, Google und andere Plattformbetreiber sind deshalb daran interessiert, möglichst viele Informationen über uns zu sammeln, ein Profil anzulegen und uns auf diese Art und Weise anzufixen.

Filterblasen und Echokammern

Eine Folge dieses digitalen Profilings sind Filterblasen und Echokammern. Fast alle Social Media-Nutzer leben in Filterblasen. Sie sehen primär Inhalte, die ihnen gefallen. Das geschieht unbemerkt und automatisch, weil die Plattformen selbst die passenden Informationen vorfiltern. Es handelt sich also um eine technische Filterung.

Deutlich gefährlicher dagegen sind die sogenannten Echokammern. Die Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen schreibt auf ihrer Hilfsseite „Zebra“ dazu:

„Bei der Echokammer handelt es sich um eine soziale FilterungEchokammern verstärken den Effekt dieser gefilterten Informationen, insbesondere in sozialen Netzwerken. Einfacher als in der realen Welt finden sich hier Gleichgesinnte, die sich gegenseitig in eigenen Positionen (Überzeugungen, Meinungen und Auffassungen) bestärken. Dies kann das Aufkommen extremer Ansichten verstärken.“

Mario Halm erklärt im „Wörterbuch der Journalistik“ aus der Perspektive der Kommunikationswissenschaften:

„Der Begriff der Echokammer (engl. ,echo chamber’) verweist auf einen metaphorischen Raum, in dem Aussagen verstärkt und Störgeräusche, etwa anders lautende Meinungen, geschluckt werden.“

Digitale Parallelwelten: Harmlose Gespräche über Brotdosen

Wie schnell Social-Media-Nutzer in Filternblasen und Echokammern gefangen werden, zeigen zwei Beispiele relativ eindrucksvoll. Beginnen wir mit der harmlosen Varianten: Facebook-Gruppen.

Vor einigen Monaten bin ich aus Spaß einer Facebook-Gruppe über Brotdosen für Kinder (Jugendliche und Erwachsene) beigetragen. Weil ich die Beiträge interessant und amüsant finde, viel interagiere und Zeit in der Gemeinschaft verbringe, spielt mir Facebook tagtäglich und fortlaufend Inhalte aus.

Andere Interessen wie meine Leidenschaft für die NFL, von denen Facebook ebenfalls seit Jahren weiß, sind komplett aus meinem Feed verschwunden. Ich bin in einer Echokammer aus kuriosen Brotdosen-Inhalten gefangen.

Das klingt lustig, ist es auf einer Meta-Ebene allerdings nicht, weil es für mich als Betroffener schwer bis unmöglich ist, sich daraus zu befreien.

Vom radikalen Geschichtenverdreher Elon Musk

Die für Gesellschaft und Persönlichkeit deutlich gefährlichere Echokammer, in der in Deutschland und rund um den Globus Millionen von Menschen gefangen sind, ist „X“. Seitdem Elon Musk die Plattform übernommen hat, werden immer mehr Lügen als Fakten dargestellt.

Das liegt daran, dass Elon Musk selbst fragwürdige Inhalte teilt – zum Beispiel ein gefälschtes Wahlplakat der US-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris in Sowjet-Uniform. Es genügt bereits einen „X“-Account zu haben, um in die gefährliche Bubble aus Radikalisierung und Rassismus gezogen zu werden.

Auch an dieser Stelle ist das Beängstigende: Selbst als vermeintlich neutraler Beobachter und Plattform-Teilnehmer wird man in den Strudel aus Fake News und verdrehten Wahrheiten gezogen – ob man will oder nicht.

Die größte Herausforderung besteht demnach darin, zu bemerken, dass es digitale Parallelwelten gibt und man selbst in einer gefangen ist. Das Problem dabei: Den wenigsten Menschen gelingt diese Erkenntnis.


Desinformation: 5 Techniken, mit denen Menschen die Wissenschaft leugnen

Ob Fake News, Desinformation oder Verschwörungstheorie: Das Phänomen der Wissenschaftsleugnung kann unter vielen Begriffen zusammengefasst werden. Doch sie alle haben eins gemeinsam, nämlich dass Menschen Fakten oder Erkenntnisse aus der Wissenschaft leugnen.

Der Blog Skeptical Science, der laut eigenen Angaben „skeptisch gegenüber globaler Erwärmungs-Skepsis“ ist, hat fünf Techniken identifiziert, mit denen Menschen Desinformation verbreiten.

5 Techniken, mit denen Menschen die Wissenschaft leugnen

Die Verbreitung von Falschinformationen hat inzwischen enorme Ausmaße angenommen. Nicht zuletzt trägt Social Media dazu bei, Verschwörungstheorien oder Fake News zu verbreiten.

Doch die Methoden, die dahinterstecken, basieren laut Skeptical Science auf fünf immer wiederkehrenden Schlüsseltechniken. Ist man sich dieser bewusst, kann man sie beispielsweise in sozialen Netzwerken besser identifizieren.

Diese fünf Techniken können mit dem Akronym PLURV abgekürzt werden:

  1. Pseudo-Experten
  2. logische Trugschlüsse
  3. unerfüllbare Erwartungen
  4. Rosinenpicken
  5. Verschwörungsmythen
  1. Für die erste Technik werden Pseudo-Experten für die Untermauerung einer These herangezogen. Dabei handelt es sich meist um nicht qualifizierte Personen oder Institutionen, die als glaubwürdige Quellen ausgegeben werden.
    Auch Bulk Fake Experts spielen hierbei eine große Rolle. Dabei handelt es sich um eine große Zahl angeblicher Experten. So wird behauptet, dass es zu einem Thema überhaupt keinen wissenschaftlichen Konsens gibt.
  2. Für die Technik der logischen Trugschlüsse hingegen gibt es zahlreiche verschiedene Arten. So kann hier beispielsweise ein Angriff gegen eine Person oder Gruppe, beispielsweise Wissenschaftler:innen, erfolgen, anstatt sich mit ihrem Argument auseinanderzusetzen.
    Auch mehrdeutige Ausdrücke fallen in diese zweite Technik. Sie werden verwendet, um irreführende Schlussfolgerung zu generieren.
  3. Die dritte Technik der unerfüllbaren Erwartungen zielt darauf ab, dass Menschen sich immer ein perfektes Ergebnis wünschen. Deshalb steht bei dieser Technik die Forderung nach etwas Unrealistischem im Fokus.
    Skeptical Science bringt hierfür das Beispiel der Wettervorhersage: „Wissenschaftler können nicht einmal das Wetter der nächsten Woche vorhersagen. Wie können sie das Klima in 100 Jahren vorhersagen?
  4. Bei der vierten Technik, dem Rosinenpicken, werden Daten zwar sorgfältig ausgewählt. Doch wie der Name dieser Technik schon sagt, handelt es sich hier nur um bestimmte Daten, die eine bestimmte Position untermauern sollen. Daten mit gegenteiligen Ergebnissen kehren Menschen bei solchen Behauptungen schlicht unter den Teppich.
  5. Technik Nummer fünf bezieht sich auf Verschwörungsmythen. Menschen, die an diese Theorien glauben, hegen meist einen Generalverdacht. Manche von ihnen sehen sich auch als verfolgte Opfer, die die Gesellschaft zum Schweigen bringen will, weil sie eine größere Verschwörung vermuten.

Geschäftsmodell Desinformation: Bonuszahlungen für virale Inhalte auf Facebook

Nachdem Meta unabhängige Faktenchecks abgeschafft hat, erscheinen auf Instagram und Facebook vermehrt homophobe und sexistische Inhalte – unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit. Mit Bonuszahlungen für virale Inhalte auf Facebook will das Unternehmen nun sogar Desinformation belohnen. Ein Kommentar. 

Die Grenzen zwischen Washington und dem Silicon Valley scheinen zunehmend zu verschwimmen. Seit Beginn der zweiten Trump-Legislatur kuschen immer mehr Tech-Bosse vor dem US-Präsidenten – allen voran Meta-Chef Mark Zuckerberg. Der Facebook-Konzern frönt seitdem mehr und mehr dem Populismus.

Facebook: Bonuszahlungen für virale Inhalte – und Desinformation

Nachdem Meta unabhängige Faktenchecks von seinen Plattformen verbannt hatte, kursieren dort vermehrt Falschinformationen sowie homophobe und sexistische Inhalte – unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit. Nun will das Unternehmen sogar Desinformation auf Facebook in Form von Bonuszahlungen für virale Inhalte belohnen.

Bereits im Januar 2024 hat Meta dafür ein Performance-Bonusprogramm ins Leben gerufen. Bislang konnten nur ausgewählte Nutzer daran teilnehmen. Spätestens im Laufe des Jahres soll das Geschäft mit den Falschinformationen jedoch so richtig brummen.

Denn künftig erhalten Betreiber großer Accounts nicht nur für die Performance von Werbeanzeigen Geld, die im Zusammenhang mit ihren Inhalten stehen, sondern für die Reichweite und Performance ihrer Inhalte selbst.

Heißt konkret: Je mehr Reichweite ein Beitrag erzielt, desto mehr Geld erhalten Urheber. Meta profitiert dabei in Form von höheren Klickzahlen auf Werbeanzeigen, was dem Unternehmen wiederum höhere Einnahmen beschert.

Community Notes als Faktencheck höchst umstritten

Das Problem: Beiträge, die viral gehen, enthalten besonders oft irreführende oder polarisierende Inhalte. Wie Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen anhand von Dokumenten belegen konnte, kam Meta kurioserweise sogar selbst zu diesem Schluss. Demnach beinhalten virale Beiträge einen viermal höheren Anteil an Desinformation als andere Beiträge.

Getreu dem Motto: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, scheint für Meta jedoch nur Bares wirklich Wahres zu sein. Mit der zeitgleichen Verbannung von unabhängigen Faktenchecks wird der Facebook-Konzern mit seinem Bonusprogramm deshalb Inhalte fördern, die demokratische Diskurse unterwandern. Das Unternehmen betont zwar, dass sogenannte Community Notes in Form von Nutzerbewertungen dabei helfen würden, Falschinformationen zu entlarven.

Die Realität spricht jedoch eine andere Sprache. Kurz nachdem Meta-Chef Zuckerberg seinen Kurswechsel angekündigt hatte, verbreiteten Nutzer einen Screenshot eines gefälschten Artikels der Nachrichtenagentur Bloomberg mit dem Titel: Der Funke von Zuckerbergs elektrischer Penispumpe könnte für die Brände in LA verantwortlich sein.

Das Ergebnis der Community Notes: Verifiziert wahr.

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