Digitalisierung und der Digitale Humanismus

Die Veranstaltungsreihe Digitalisierung und der Digitale Humanismus ist für Humanist:innen besonders interessant, weil sie an den Kern humanistischer Fragestellungen rührt: Wie bleibt der Mensch auch in einer immer stärker technisierten Welt der Bezugspunkt von Politik, Gesellschaft und Kultur?

Unter dem Aspekt Mensch im Mittelpunkt geht es darum, ob digitale Technologien menschliches Leben verbessern oder einschränken. KI und Algorithmen dürfen nicht Selbstzweck sein, sondern müssen Freiheit, Würde und Selbstbestimmung sichern. Für Humanist:innen ist entscheidend, dass Technik nicht den Menschen ersetzt oder entwertet, sondern seine Möglichkeiten erweitert und seine Rechte schützt. Genau das spiegelt sich in Modulen zur Arbeitswelt, zu Plattformregulierung oder zum Schutz der Privatsphäre wider.

Ebenso zentral ist die Frage nach den Grenzen der Ethik. Digitalisierung kann vieles, aber nicht alles sollte getan werden, nur weil es technisch machbar ist. Hier stehen Themen wie Überwachung, algorithmische Verzerrungen oder die Intransparenz von Entscheidungssystemen im Fokus. Humanist:innen interessiert dabei, wie normative Leitplanken aussehen müssen: Wo endet Legitimität, wo beginnt Missbrauch? Welche Verantwortung tragen Entwickler:innen, Politik und Gesellschaft?

Die Reihe bietet damit nicht nur Fachwissen über KI und Digitalisierung, sondern auch einen Rahmen für kritische Reflexion. Sie eröffnet Humanist:innen die Chance, aktiv an der Gestaltung einer digitalen Welt mitzuwirken, in der Verantwortung, Fairness und Teilhabe nicht hinter Effizienz und Profit zurückstehen.

Links:
(1) https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20250918_OTS0017/neue-veranstaltungsreihe-digitalisierung-und-der-digitale-humanismus


Grundlagen, Potenziale, Risiken

Am 16. Oktober 2025 startet die neu konzipierte Veranstaltungsreihe „Digitalisierung und der Digitale Humanismus“, eine Kooperation der Wienbibliothek im Rathaus, der Wiener Volkshochschulen und der Fakultät für Informatik der TU Wien. In acht Modulen werden die Grundlagen, Potenziale und Risiken der Digitalisierung wissenschaftlich fundiert, verständlich und praxisnah, von Expert*innen aus unterschiedlichen Disziplinen vermittelt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich unser Leben im rasant fortschreitenden Zeitalter der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz verändern wird, welche Rolle humanistische Grundsätze dabei spielen werden und welche Fertigkeiten notwendig sind, um diesen Wandel aktiv und verantwortungsvoll zu gestalten.

Ziel der Reihe ist, anwendbare Fähigkeiten zu vermitteln, dass technologische Möglichkeiten, mit gesellschaftlicher Übereinstimmung, Rechtsstaatlichkeit und kultureller Vielfalt vereint werden müssen. Sie setzt darauf, den komplexen Bereich der Digitalisierung und seine Auswirkungen, allen interessierten Menschen in der Stadt zugänglich zu machen, um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen.

Die technologische Transformation verändert unsere Gesellschaft tiefgreifend – und wir sind alle dazu aufgerufen, diesen Wandel aktiv mitzugestalten. Die gemeinsame Veranstaltungsreihe von Wienbibliothek im Rathaus, VHS Wien und TU Wien nützt das Wissen der Vielen und setzt ein starkes Zeichen für einen digitalen Humanismus, der auf Vielfalt und Teilhabe baut.
Veronica Kaup-Hasler, Amtsführendestadträtin für Kultur und Wissenschaft

Bibliotheken sind mehr als Speicherorte, sie bieten analoge und digitale Diskursräume, in denen Wissen zu Orientierung wird. Der Digitale Humanismus stellt sicher, dass diese Räume frei zugänglich und für alle offen bleiben. Umso mehr freut es mich, dass wir für diese Veranstaltungsreihe hochkarätige Expert*innen gewinnen konnten, die wissenschaftliche Erkenntnisse mit gesellschaftlichem Dialog zu verbinden.
Anita Eichinger, Direktorin Wienbibliothek im Rathaus

Digitalisierung und Digitaler Humanismus sind Themen, die uns alle betreffen – ihre Komplexität macht sie jedoch oft schwer greifbar. Als Wiener Volkshochschulen stehen wir für leicht zugängliche Wissensvermittlung und gesellschaftliche Teilhabe. Gemeinsam mit der Wienbibliothek und der TU Wien schaffen wir einen Raum, in dem komplexe Inhalte verständlich und praxisnah vermittelt werden.
Herbert Schweiger, Geschäftsführer Wiener Volkshochschulen

Der Digitale Humanismus erstreckt sich von der wissenschaftlichen Forschung über die politische Kommunikation bis hin zur Lehre und Erwachsenenbildung. Letztlich geht es um die Bewusstseinsbildung für eine demokratische Entwicklung – weshalb diese Veranstaltungsreihe der VHS essenziell ist.
Hannes Werthner, Univ.-Prof. i.R. TU Wien

MODULE UND TERMINE

Modul 1: Donnerstag, 16. Oktober 2025, 18:00 Uhr
Einführung in Künstliche Intelligenz (KI)
Künstliche Intelligenz befasst sich mit der Entwicklung von Systemen, die aus Daten lernen, Muster erkennen und Aufgaben lösen können, die zuvor menschliche Intelligenz erforderten, wobei Ethik, Transparenz und Verantwortlichkeit zentrale Leitplanken bilden.
Stefan Woltran, ordentlicher Professor für Grundlagen der Künstlichen Intelligenz an der
TU Wien und Leiter der Forschungsgruppe Datenbanken und KI.
Ort: VHS Ottakring, Ludo-Hartmann-Platz 7, 1160 Wien

Modul 2: Donnerstag, 30. Oktober 2025, 18:00 Uhr
Maschinelles Lernen – Muster erkennen, Vorhersagen treffen
Maschinelles Lernen (ML) ist ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz, bei dem Computer aus Daten Muster und Regelmäßigkeiten ableiten, ohne explizit dafür programmiert zu sein. ML nutzt historische Daten, erkennt Muster und trainiert Modelle, die anhand neuer Eingaben Wahrscheinlichkeiten schätzen oder Vorhersagen treffen.
Peter Knees, außerordentlicher Professor an der Fakultät für Informatik der TU Wien. Seit 2023 ist er Inhaber des UNESCO Lehrstuhls für Digitalen Humanismus.
Ort: VHS Ottakring, Ludo-Hartmann-Platz 7, 1160 Wien

Modul 3: Dienstag, 4. November 2025, 18:00 Uhr
Überwachung vs. Privatsphäre – Wo liegen die Grenzen?
Die Grenze im Zusammenhang mit Überwachung liegt dort, wo Sicherheits- oder Öffentlichkeitsinteressen die individuellen Grundrechte auf Privatsphäre unverhältnismäßig einschränken, während transparente, rechtsstaatlich kontrollierte Rahmenbedingungen, eindeutige Zweckbindung und wirksame Kontrollmechanismen den Schutz persönlicher Daten sicherstellen.
Martina Lindorfer, Associate Professor an der TU Wien im Forschungsbereich Security & Privacy und Key Researcher bei SBA-Research.
Ort: VHS Wiener Urania, Uraniastraße 1, 1010 Wien

Modul 4: Dienstag, 11. November 2025, 18:00 Uhr
Empfehlungssysteme – Die Ursache allen Übels?
Empfehlungssysteme sollten transparent, datenschutzfreundlich und fair sein: offenlegen,
wie Empfehlungen funktionieren, und welche Daten genutzt werden, personenbezogene Daten minimieren und Verfahren zur Korrektur von Fehlern und Diskriminierung bereitstellen.
Julia Neidhardt, Forscherin an der Forschungsgruppe Data Science, TU Wien Informatik. Leiterin Christian-Doppler-Labor für Empfehlungssysteme, TU Wien. UNESCO-Co-Vorsitzende für Digitalen Humanismus.
Ort: Wienbibliothek im Rathaus, Lesesaal, Eingang Felderstraße, 1010 Wien

Modul 5: Donnerstag, 20. November 2025, 18:00 Uhr
Ethik & KI – Prinzipen, Ziele, Handlungsempfehlungen
Ethik & KI bedeuten verantwortungsvolle Entwicklung und Nutzung von KI-Systemen, die Menschenwürde, Transparenz, Fairness und Sicherheit priorisieren, Risiken sorgfältig abwägen und Mechanismen zur Verantwortlichkeit, Fehlerkorrektur und Datenschutz implementieren.
Erich Prem, Chef FTI-Stratege und Geschäftsführer der eutema GmbH und Obmann des Vereins für digitalen Humanismus.
Ort: VHS Ottakring, Ludo-Hartmann-Platz 7, 1160 Wien

Modul 6: Donnerstag, 27. November 2025, 18:00 Uhr
Digitalisierung, Web und Plattformen – sichere Infrastruktur, Grundrechte schützen, faire Regulierung
Die Digitalisierung von Web und Plattformen bedeutet, dass datengetriebene, vernetzende Systeme Nutzer*innen neue Dienstleistungen ermöglichen, Geschäftsmodelle verändern und globale Interaktionen durch Skalierbarkeit, Interoperabilität und robuste Sicherheitsmaßnahmen vorantreiben.
Hannes Werthner, war Informatikprofessor an der TU Wien und Dekan der Fakultät für Informatik. Forschungsschwerpunkte E-Commerce und Empfehlungssysteme. Er ist Schlüsselperson der „Digital Humanism Initiative“ mit dem „Vienna Manifesto on Digital Humanism“.
Ort: Wienbibliothek im Rathaus, Lesesaal, Eingang Felderstraße, 1010 Wien

Modul 7: Dienstag, 2. Dezember 2025, 18:00 Uhr
Arbeit und KI – Erkenntnisse, Anforderungen, Perspektiven
KI-Technologien automatisieren wiederkehrende Aufgaben, unterstützen komplexe Entscheidungen und schaffen neue Jobprofile, während sie gleichzeitig Qualifikation und Weiterbildung erfordern, um Produktivität und fairen, verantwortungsvollen Einsatz zu sichern.
Sabine Köszegi, Professorin für Arbeitswissenschaft und Organisation am Institut für Management-wissenschaften der TU Wien, Vorsitzende des Ethikbeirats für Künstliche Intelligenz der Österreichischen Unesco-Kommission.
Ort: VHS Wiener Urania, Uraniastraße 1, 1010 Wien

Modul 8: Dienstag, 9. Dezember 2025, 18:00 Uhr
Partizipative Gruppendiskussion im „Fishbowl“ Format:
„Was kann jeder Einzelne von uns tun, um ein gutes Leben für alle zu sichern?“
Ort: VHS Wiener Urania, Uraniastraße 1, 1010 Wien

Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Infos und Anmeldung unter www.wienbibliothek.at

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