7. Oktober 2023, ein Tag des Mordens
Gedanken und Fragen zum davor und danach
Am 07. Oktober 2023 um halb sieben morgens begann der Angriff. Etwa 3000 Raketen wurden aus dem Gaza Streifen auf Israel abgeschossen. Luftalarm wurde ausgelöst. Dieser Beschuss mit Raketen lenkte vom Angriff der 3000 HAMAS Kämpfer ab, die auf einer Breite von 60 Kilometern den Grenzzaun zu Israel durchbrachen und bis zu 20 Kilometer tief auf israelisches Gebiet vordrangen. Was folgte war ein bis dahin unvorstellbares Massaker an den Bewohnern der Kibbuze in diesem Gebiet und den Besuchern zweier Festivals. Ein Abschlachten von Unschuldigen: Männern, Frauen, Kindern und Säuglingen. Einige wurden bei lebendigem Leib verbrannt. Frauen wurden systematisch vergewaltigt. es wurden ihnen die Brüste abgeschnitten, Männern die Geschlechtsteile. Leichen wurden zur Schau gestellt, wie auch die entführten Menschen. Das am besten dokumentierte Massaker in der jüngeren Geschichte fand am diesem und den darauf folgenden Tagen statt. Die Mörder und Vergewaltiger feierten sich selbst mit Videos in den sozialen Medien. Die in den Kibbuzen und an den Straßen installierten Überwachungskameras dokumentierten die Gräuel. An diesem Tag wurden von den Kämpfern der HAMAS etwa 1200 Menschen ermordet und bis zu 240 nach Gaza als Geiseln oder Sexsklavinnen verschleppt.
Leserinnen und Leser der Chronika will ich mit diesen Zeilen an den ersten Tag erinnern, der zu dem nunmehr über einem Jahr andauernden Krieg zwischen Israel und der HAMAS führte, der sich auf den Libanon und den Jemen ausweitete, sowie auf das Westjordanland und Syrien.
Diesen Essay schreibe ich, weil ich mich gefragt habe, weshalb dieses Vergewaltigen, Verstümmeln, Morden und Entführen nicht nur von den Kämpfern der HAMAS frenetisch gefeiert wurde, sondern auch in der arabischen Welt und zu Hause in Deutschland zum Beispiel in Berlin, wo Palästinenser auf den Straßen feierten und Süßigkeiten austeilten. Warum gebetsmühlenartig beschworen wird, Antisemitismus habe keinen Platz in Deutschland, obwohl er in unserer Nachbarschaft seit Jahrzehnten existiert. Warum in unseren öffentlichen Medien die Propaganda der HAMAS in den Nachrichten zur Primezeit in die Wohnzimmer getragen wird.
Ich blicke auf 43 Jahre als Soldat zurück, bin in verantwortungsvollen Positionen gewesen, darf mich ohne Übertreibung als Militärexperte bezeichnen. In mehreren Einsätzen auf dem Balkan und in Afghanistan sammelte ich praktische Erfahrungen im Krisenmanagement von Konfliktparteien und über 10 Jahre war ich im Bereich der Medienarbeit eingesetzt. Zeitweilig bekleidete ich im internationalen militärischen Einsatz den Posten eines Chefredakteurs. Man könnte auch sagen, in Afghanistan war ich im Krieg. Seit nunmehr 10 Jahren unterstütze ich Flüchtlinge, die oftmals aus Kriegsgebieten geflohen sind. Deren Erzählungen eröffneten nochmals andere Perspektiven auf Kriegsgeschehen und Gewalterfahrungen.
Die Bilder von den Grausamkeiten am 7. Oktober haben mich weniger schockiert als andere Menschen. Zeugnisse von Morden, Vergewaltigungen und Verstümmelungen habe ich in meinen Einsätzen ansehen müssen und mit Überlebenden gesprochen. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der unschuldige Menschen, selbst kleine Kinder, erschossen wurden und damit geprahlt wurde, hat mich am 7. Oktober entsetzt. Am nachhaltigsten hat mich der Hass überrascht, dieser offensichtliche Blutrausch des Tötens, der sich in dem Video eines Kämpfers der HAMAS offenbarte. Er steht dort mit seiner Kalaschnikow in der Hand, das Smartphone zum Selfie erhoben und berichtet seinem Vater mit freudiger Erregung in der Stimme, er könne nun stolz auf ihn sein. Heute habe er schon 14 Juden getötet. Dieser Mensch ist seit seiner Kindheit im Glauben erzogen worden, Juden müssten getötet werden. Die HAMAS Gründungscharta von 1988 lässt diesen Schluss zu. Im Artikel 7 wird ausgeführt:
„Angesichts der weltweiten Verbreitung der Muslime, die den Prinzipien der Islamischen Widerstandsbewegung folgen, sie durch ihre Taten unterstützen, ihre Standpunkte übernehmen und ihren Dschihad stärken, ist sie eine universale Bewegung. Ihre klare Ideologie, ihre edles Ziel (nämlich Gott) und ihre hehren Absichten versetzen sie dazu bestens in die Lage.
Auf dieser Grundlage muß [sic] die Bewegung betrachtet, gewürdigt und anerkannt werden. Wer ihr ihr Recht abspricht und es versäumt, sie zu unterstützen oder verblendet ist und sich dementsprechend bemüht, ihre Rolle zunichtezumachen, der fordert das Schicksal heraus. Wer seine Augen vor den Tatsachen verschließt, sei es absichtlich oder unabsichtlich, der wird eines Tages erwachen und feststellen, dass die Ereignisse ihn übergangen haben und er sich nicht länger rechtfertigen kann. Denn wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Die Ungerechtigkeit Angehöriger [Muslime] ist qualvoller für die Seele als ein scharfer Schwerthieb.“
Hier manifestiert sich die Drohung an alle Menschen, auch an Muslime, ausgeschlossen, wenn nicht sogar getötet zu werden, wenn sie sich gegen die Ziele der HAMAS aussprechen oder sie bekämpfen. Genug Fälle sind dokumentiert, wonach die HAMAS in Gaza Glaubensbrüder getötet hat, die sie gewaltlos bekämpft hatten. Gegenüber Juden wird die Charta noch deutlicher.
Die islamische Widerstandsbewegung ist ein Glied in der Kette des Dschihad gegen die zionistische Invasion. Sie beruft sich auf den ersten Dschihad der Muslimbrüder 1936 und führt weiter aus:
Weiterhin knüpft sie auch an den Dschihad der Palästinenser und Muslimbrüder im Krieg von 1948 und die Widerstandsaktivitäten der Muslimbrüder im Dschihad seit 1968 an. Liegen diese Glieder auch sehr fern und haben auch die Hindernisse, die die Helfershelfer des Zionismus den Dschihad-Kämpfern in den Weg gestellt haben, dazu geführt, dass der Dschihad nicht kontinuierlich fortgeführt werden konnte, so strebt die Islamische Widerstandsbewegung doch danach, Gottes Versprechen wahrzumachen, ganz gleich, wie lange dies dauern mag. Der Prophet – Gott segne ihn und schenke ihm Heil-, sprach: „Die Stunde wird kommen, da die Muslime gegen die Juden solange kämpfen und sie töten, bis sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken. Doch die Bäume und Steine werden sprechen: „Oh Muslim, oh Diener Allahs, hier ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt. Komm und töte ihn!“[1]
chartaderhamas
Im Lesemodus öffnenIn den Tagen nach dem Angriff wandten sich Sprecher der Hamas bevorzugt auf Englisch an die Welt. Vor Kameras der BBC zum Beispiel sagte einer von ihnen: „Es war ein ausschließlich gegen militärische Ziele gerichtete Aktion. Ich kann bestätigen und versichern, es hat keinen Befehl gegeben, Zivilisten zu töten“. Als er später auf Arabisch auf Sendung ging, klang das so: „Israel ist ein Staat, der von der Weltkarte entfernt werden muss. Die Araber und die gesamte islamische Umma müssen ihn beseitigen, und wir scheuen uns nicht , das mit allem Nachdruck zu sagen. Dieser Angriff war nur der erste, und es wird einen zweiten, dritten und vierten geben. Man nennt uns eine Nation von Heiligen, und wir sind stolz darauf, unsere Heiligen zu opfern.“ Als er gefragt wurde, ob dies die Vernichtung Israels bedeute, erwiderte er: „Ja.“[2]
De facto fordert die Charta die Vernichtung Israels. Dies soll als in allen gesellschaftlichen Bereichen formuliert und auch gelehrt werden. 2007 übernahm die HAMAS gewaltsam die Macht in Gaza. Seitdem wird dies dort gelebt und auch gelehrt. Wie sonst soll man das oben beschriebene Video deuten?
Lange grübelte ich über die Frage, welchen ethnischen Hintergrund die Kämpfer der HAMAS haben. Sind es Araber oder Palästinenser? Nach der letzten Intifada rekrutierte sie vor allem in Gaza, aber auch schon zuvor: es sind Palästinenser. Niemand in den Medien sagt oder schreibt, Palästinenser haben am 7. Oktober unschuldige Menschen jüdischen Glaubens und Juden bestialisch missbraucht, gefoltert, vergewaltig, ermordet oder entführt. Dies aus den Medien fern gehalten zu haben, dürfte der größte Erfolg der HAMAS sein. Auf allen Pro-Palästina Demonstration wird verschwiegen, dass Palästinenser Juden mordeten.
Als Regierung in Gaza müsste sich die Hamas für die Sicherheit ihrer Bürger verantwortlich fühlen. Kündigen die israelischen Streitkräfte Angriffe an, müssten die palästinensischen Zivilisten in den unterirdischen Tunneln Schutz suchen dürfen. Bilder in Tunneln schutzsuchender Zivilisten, wie wir sie aus den abendlichen Nachrichten über russische Angriffe auf die Ukraine kennen, existieren in Gaza nicht. Im Gegenteil. 2024 erklärte einer der Sprecher der HAMAS, die immer noch existierenden 500 Kilometer des Tunnelsystems seien ausschließlich ihren Kämpfern vorbehalten. Diese zynische Aussage bestätigt, was ich zu Beginn des Gaza-Krieges gelesen hatte. Der Tod der palästinensischen Bevölkerung in Gaza wird von der HAMAS als Teil ihrer Strategie einkalkuliert. Einerseits soll damit der internationale Druck auf Israel wegen der eingetretenen humanitären Katastrophe erhöht werden. Zum anderen soll das erlittene Leid der Bevölkerung in Gaza die arabische Welt und die in Israel lebenden Palästinenser zum Aufstand bzw. Kampf gegen Israel aufstacheln. Diese Strategie ist an Zynismus kaum zu überbieten. Der Tod der eigenen Bevölkerung, der so oft beschworenen Brüder und Schwestern, ist Teil der HAMAS Strategie. Ein Erfolg dieser Strategie ist derzeit nicht sichtbar. Das Leiden der Bevölkerung in Gaza wird jedoch immer größer.
Warum hat zum Beispiel Ägypten nichts unternommen, um das Leid zu mildern? Dessen Präsident Abd al-Fattah as-Sisi sagte, er lasse die Zivilbevölkerung aus Gaza nicht nach Ägypten. Dabei wäre es möglich gewesen, auf dem Sinai, auf ägyptischem Gebiet, Flüchtlingslager zu errichten. Gleiches gilt für Israel auf israelischem Territorium. Beide Staaten haben sich aber nachdem 7. Oktober entschlossen, die Gaza Grenzübergänge zu schließen. Offiziell wurde begründet, sie wollten keinen HAMAS Kämpfer auf ihrem Gebiet Zuflucht bieten. Aus eigener Erfahrung kann ich diese Befürchtung nicht teilen. Mit einem vernünftigen Kontrollsystem und in Zusammenarbeit mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) wäre es natürlich möglich, Zivilisten Schutz zu gewähren. De facto nehmen beide Staaten den Tod von Zivilisten in Gaza in Kauf. Seltsamerweise wurde zunächst nur Israel als Schuldiger angeklagt. Dabei ermöglichten vor allem arabische Staaten und der Iran, die Aufrüstung der HAMAS und den Ausbau des Tunnelsystems, was Milliarden Dollar gekostet haben dürfte. Über die Tunnelsysteme, die von Ägypten in den Gaza-Streifen führten, rollte der Nachschub, obwohl Ägypten die HAMAS nie offiziell unterstützte. Aus Katar, dem luxuriösem Refugium der HAMAS Führung, wurden Millionen Dollar transferiert. Auch die internationale Unterstützung des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) half der HAMAS, ihre Charta zu verwirklichen.
Obwohl gemordet wurde und unzählige Zivilisten getötet, dauerte es über ein Jahr, bis gegen die militärischen Führer der HAMAS, Deif, Sinwar und Hanija aber auch gegen Netanjahu und den Verteidigungsminister Gallant, vom internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen möglicher Kriegsverbrechen Haftbefehle erlassen wurden. Sinwar und Hanija wurden mittlerweile getötet. Weder Israel noch die HAMAS akzeptieren diese Haftbefehle.

Ist das nicht Propaganda, fragte ich mich, wenn ich einige Nachrichten aus Gaza sah. Wer kontrolliert dort die Medien? Es ist die HAMAS, die im GAZA die Medienberichte zensiert, freigibt oder auch selbst verbreitet. An drei Beispielen will ich den Erfolg der HAMAS Propaganda verdeutlichen.
Am 17. Oktober 2023 gegen halb acht am Abend wurde eine Explosion im Gebäudekomplex des Al Shifa Krankenhauses in GAZA Stadt beobachtet. Bereits eine halbe Stunde später wurde in der Tagesschau von dieser Explosion berichtet. Tagesschau Sprecherin Judith Rakers moderierte mit folgendem Statement an: „Heute gab es mehrere Angriffe auf zivile Ziele im GAZA Streifen, unter anderem wurde ein Krankenhaus getroffen.“ Christian Limperd, Journalist des Bayrischen Rundfunks, berichtete aus Tel Aviv. Die Meldung habe ihn soeben erreicht, er habe noch kein klares Bild der Situation, zudem würden sich Israel und die HAMAS gegenseitig beschuldigen. Schließlich formulierte er folgenden Satz: „Aber es wäre in jedem Fall ein Kriegsverbrechen.“
Völlige Unkenntnis des Völkerrechtes hat er mit diesem Satz bewiesen.
Wird ein völkerrechtlich geschütztes Objekt, wie zum Beispiel ein Krankenhaus, militärisch genutzt, darf es angegriffen werden. Wie sich später herausstellte, waren beide zentralen Aussagen falsch. Unter dem Krankenhaus war eine Kommandozentrale der HAMAS. Aber so war die Unterstellung in der Welt. Ein Angriff auf ein Krankenhaus und ein Kriegsverbrechen der israelischen Streitkräfte wurden kurz nach der ersten Meldung quasi als Tatsache formuliert.
Am Tag darauf wurde in der Tagesschau der Palästinenser Mahmat al Jarwsha humpelnd zum Interview geführt. Seine Familie sei bei dem Angriff auf das Krankenhaus getötet worden, so der Tagesschaujournalist. Da schildert Mahmut, wie er von der Explosion getroffen wurde. „Ich bin durch die Luft geflogen. Die Stärke dieser Bombardierung war so gewaltig. Aber ich glaube nicht, dass es von einem Flugzeug kam. So etwas hab ich noch nie erlebt.“

Aber er hat keine Kratzer an den Armen, keine im Gesicht. Welche Verletzungen entstehen, wenn man von der Druckwelle einer Explosion getroffen wird, dokumentiert Shady Rizk. Er fotografierte die gewaltige Explosion in Beirut, wurde von den Splittern berstender Fensterscheiben getroffen. Folgendes Foto zeigt ihn nach der Operation.

Obwohl schon um 14:00 Uhr, 6 Stunden vor der Tagesschau, auf Tagesschau 24 Pascal Siggelkow, ARD-Faktenfinder, zur Explosion auf dem Parkplatz vor dem Krankenhaus in Gaza erklärte, die israelische Version könnte richtig sein, weil die HAMAS Verlautbarungen zu dieser Explosion kritisch zu bewerten seien:
…das ist für uns dann schon ein Indiz, dass man natürlich gerade der Seite der HAMAS erst mal nicht glauben kann oder zumindest sehr skeptisch sein sollte, was von dort kommt, weil sich jetzt eben in der Vergangenheit bereits sehr viele unwahre oder falsche Behauptungen gezeigt haben…
Das hinderte die Redaktion der Tagesschau nicht, sechs Stunden später zur Primetime in ihren Nachrichten die Propaganda der HAMAS zu senden.
Tage später wird ein palästinensische Arzt präsentiert, der lange in einem Krankenhaus arbeitete. Er hätte gewusst, wenn die HAMAS hier wäre. Schon beim Interview merkte man, dass er unter Zwang sprach. Als israelische Soldaten dennoch in das Krankenhaus eindrangen, wurden sie von Maschinengewehrfeuer empfangen. Wir erleben also täglich zensierte Nachrichten oder Propaganda in der Prime Zeit der ARD. Selbst wenn gesagt wird, die Meldung könne nicht überprüft werden, wirkt die Propaganda. Die Bilder sind in den Köpfen der Zuschauer. Zu einer Entschuldigung für ihre Falschmeldungen konnte sich die ARD nicht durchringen. Mittlerweile gilt als gesichert, dass der Einschlag auf dem Parkplatz des Al-Shifa Krankenhauses durch die fehlgeleitete Rakete des IS verursacht wurde. Eine eindeutige Aufklärung verhinderte die HAMAS, da sie die Bruchstücke der Rakete aufsammelte, wie Videoaufnahmen beweisen. Der HAMAS Sprecher kommentierte das Fehlen der Bruchstücke damit, sie hätten sich aufgelöst, wie Salz im Wasser.
Die HAMAS begründet ihren immerwährenden Dschihad gegen Juden und Israel unter anderem mit der Vertreibung der Palästinenser aus Israel, die besonders im Jahr 1948 stattfand. Etwa 700.000 Araber bzw. Palästinenser wurden ihres Besitzes beraubt. Als Nakba ist dies im kollektiven Gedächtnis der Palästinenser verankert. Zur gleichen Zeit wurden etwa 850.000 Menschen jüdischen Glaubens aus den arabischen Staaten vertrieben, die zumeist nach Israel flüchteten. Die Gründung des Staates Israel betrachte ich als Grund für diese beiderseitige Vertreibung. Mit der UN Resolution 181 vom 29. November 1947 wurde das Gebiet Palästina geteilt und die Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 beschlossen. Damals gehörten 57 Staaten der UNO an, 33 stimmten für diese Resolution, aber nicht die arabischen Staaten. Sie kündigten nicht nur an, der Resolution nicht zu folgen, sondern drohten mit Krieg. Am 14. Mai erklärte sich Israel unabhängig. Am 15. Mai griffen arabische Staaten Israel wie angekündigt an. Nicht nur diesen Krieg, auch die folgenden gewann Israel und besetzte Territorium, dass die UN für den Staat Palästina vorgesehen hatte. Auch diese Jahrzehnte langen Niederlagen und die gegenwärtige Vertreibung palästinensischer Siedler aus Westjordanien durch Israel hält die Nakba aufrecht. Damit wird meines Erachtens der Hass auf Israel gespeist. Über die Jahrzehnte ist es palästinensischen und arabischen Organisationen gelungen, das Bild eines Israels zu zeichnen, das Palästinenser vertreibt und die verbleibenden ihrer Rechte beraubt.
Dies spiegelte sich auch in einer Diskussion anlässlich der Innsbrucker Literaturtage wieder. Man wagte unter der Moderation einer Rundfunkmoderatorin einen Juden und eine Palästinenserin miteinander diskutieren zu lassen. Fast einhundertfünfzig Zuhörer, die ohne jegliche Störung zuhörten. Dafür durfte ich nach einer Einführung über die Konfliktursachen auf eine Diskussion hoffen, die alle Aspekte des Konfliktes adressierte. Aber ich musste mir gute fünfundvierzig Minuten lang reines Israel-Bashing anhören. Es ging nur um Netanjahu, der einen verbrecherischen Krieg führe, um im Amt zu bleiben. Ein Anschauungsunterricht über die Wirkung propagandistischer Dauerberieselung, die natürlich teilweise der Wahrheit entspricht.
Israel führt unter der Regierung Netanjahus einen Vernichtungsfeldzug gegen die HAMAS, also die Palästinenser, die ihr angehören. Nicht gegen die Palästinenser. Aber er nimmt die Tötung von Palästinensern in Gaza in Kauf, da die Strategie der Regierung auf der technologischen Überlegenheit der israelischen Streitkräfte und der Vermeidung eigener Verluste gründet. Weil die Zivilbevölkerung in Gaza de facto von Israel und Ägypten eingeschlossen wurde, wird sie getötet und nicht geschützt, wie es das humanitäre Völkerrecht vorsieht. Dabei ist es unerheblich, wie verwerflich auch immer, dass die HAMAS die Zivilbevölkerung als menschliche Geiseln nutzt. Es hätte einer anderen Strategie bedurft, die in der Vorstellungswelt der Netanjahu Regierung nicht existiert. Rache ist das entscheidende Motiv der israelischen Hardliner, verbunden mit der Zielsetzung Gaza wieder wie vor Jahren unter israelische Kontrolle zu stellen. Auch bei der HAMAS ist keinerlei Bereitschaft zu erkennen, ihren Terror gegen Israel und Juden aufzugeben.
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Im Lesemodus öffnenEs ist wichtig, zwischen Palästinensern als Gesamtheit und der Hamas zu unterscheiden. Das Gleiche gilt für Israelis versus die rechte Regierung von Netanjahu. Ich darf an dieser Stelle meine Frau, Marion Näser-Lather zitieren, die als Assistenzprofessorin und Ethnologin an der Innsbrucker Universität lehrt:
„Was den Konflikt angeht, bin ich sehr pessimistisch. Dazu wäre es notwendig, dass alle religiösen Fanatiker*innen auf beiden Seiten sowie alle, die in irgendeiner Weise von dem Konflikt profitieren bzw. darunter biographisch so gelitten haben, dass Rachegedanken ihr Sein dominieren, einen kognitiven und emotionalen Prozess des Vergessens durchlaufen. Aber so, wie es jetzt aussieht, kann es eigentlich nur so weitergehen oder sogar noch schlimmer werden. Michael Daxner, der ein absoluter Experte für diesen Konflikt ist, hat uns im Dezember dankenswerterweise in Innsbruck besucht und den Studierenden in einem beindruckenden Vortrag Hintergründe, Konfliktebenen und dessen Genese erläutert. Das war mir wichtig, denn Szenen wie an anderen Unis möchte ich nicht, wo Studierende „from the river to the sea“ mitgebrüllt haben, ohne zu wissen, was das eigentlich heißt … Ebenso möchte ich nicht, dass sie sich genauso unreflektiert auf die andere „Seite“ schlagen, die beispielsweise postkoloniale Theorien pauschalierend verantwortlich macht für Antisemitismus und die schrecklichen Ereignisse des 7.10. und folgend als willkommenen Anlass gebraucht, um zu fordern, man möge diese Theorien und am besten gleich auch noch alles „woke“ dazu auf dem sprichwörtlichen „Müllhaufen der Geschichte“ entsorgen. Versachlichung und Differenzierung sind die einzige Möglichkeit, um Polarisierung und Radikalisierung entgegenzuwirken.“
Die politischen Statements in Deutschland, der Antisemitismus habe hier keinen Platz, betrachte ich als völlig unglaubwürdig. In allen meinen Einsätzen wurde ich von vielen gebildeten Muslimen dazu beglückwünscht, dass wir Deutschen die Juden im Zweiten Weltkrieg auslöschen wollten. Einige bedauerten es, dass es nicht gelungen sei. Der Hass auf die Juden ist tief verankert in der muslimischen Welt im Nahen Osten und darüber hinaus. Eine junge Palästinenserin, die ich Rahmen meiner Flüchtlingsarbeit unterstütze, erklärte es mir so. Sie, die Palästinenser, hätten die Juden auf ihr Land eingeladen, dann hätten sie sich ihr Land genommen, deswegen gehörten sie heute bekämpft. Historisch ist dies nicht belegbar, aber kollektives Verständnis. Betrachte ich den Anteil muslimischer Gläubiger in Deutschland, ist Antisemitismus in Deutschland präsent, natürlich auch unter Christen. Schon 2001 erfuhr ich in Hamburg, dass die iranische Moschee an der Außenalster radikalislamistisch und antisemitisch sei. Ich bin sicher, die Behörden wussten es. Erst 2023 nach dem 7. Oktober wurde die dortige Vereinigung verboten. Gleiches, nicht in der zeitlichen Dimension, betrifft Samidoun, das – Palästinensische Gefangenensolidaritätsnetzwerk, deren Mitglieder aus Freude am Morden Süßigkeiten in Berlin verteilten. Erst dann wurde Samidoun verboten.
Palästinensische Demonstranten in Deutschland müssten die Verbrechen ihrer mordenden Brüder und Schwestern eingestehen. Sie verschweigen es. Ron Leshem schreibt in seinem Buch Feuer:
…dass es keine Rache gibt. Dass sie keinen Sinn hat. Nichts kann einen derartigen Kummer rächen. Trauer und Schmerz sind Gefühle, die stärker als Rache sind. [9]
Netanjahu sagte nach dem 7. Oktober:
Was wir unseren Feinden in den kommenden Tagen antun werden, wird in ihnen für Generationen nachhallen.
Auf beiden Seiten erleben die Kinder Grausamkeiten. Die palästinensischen Kinder erlebten es bereits 2004 und in den folgenden Jahren der letzten Intifada. Als sie erwachsen waren, kämpften sie in der HAMAS. Netanjahu mag jetzt siegen. Aber er legt den Grundstein für den nächsten Krieg, der stattfindet, wenn die heutigen Kinder erwachsen sind. Es sei denn, es finden sich Menschen wie Menachim Begin und Muhammad Anwar as-Sadat, die für ihre Bemühungen um Frieden mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. In Israel könnten sie gewählt werden, in der arabischen Welt müssen sie gefunden werden.

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