Hass auf den Straßen Londons – und warum Humanismus die Antwort ist
Solidarität mit den Humanists UK
The purpose of this post is to convey a message to Andrew Copson and Humanists UK. The recent attacks that occurred in London last weekend are not merely directed at the individual, but rather represent an assault on the principles of humanism, human rights, and the values of an open society that we collectively uphold. In periods where flags inscribed with the term Secular Humanism are being torn up, we extend our solidarity and determination from Austria: Humanism cannot be intimidated. We stand by your side.
Ich beginne diesen Beitrag mit einer Grußnote an Andrew Copson und die Humanists UK. Die Angriffe, die ihr am vergangenen Wochenende in London erleben musstet, gelten nicht nur euch, sondern uns allen, die wir für Humanismus, Menschenrechte und eine offene Gesellschaft eintreten. In Zeiten, in denen Fahnen mit der Aufschrift Secular Humanism zerrissen werden, senden wir euch aus Österreich unsere Solidarität und unsere Entschlossenheit: Humanismus lässt sich nicht einschüchtern. Wir stehen an eurer Seite.
Hass auf den Straßen Londons – und warum Humanismus die Antwort ist
London hat an diesem Wochenende ein erschreckendes Bild abgegeben. Über 100.000 Menschen folgten dem Aufruf zu einer Kundgebung, die vorgab, für „Meinungsfreiheit“ einzutreten – in Wahrheit aber war es ein Festival des Hasses, der Verschwörungstheorien und der christlich-nationalistischen Hetze. Was sich pro-englisch nannte, war in Wirklichkeit die größte nationalistische Machtdemonstration seit Jahrzehnten.
Und es blieb nicht bei Parolen. Polizist:innen wurden geschlagen und getreten, Flaschen und Fackeln flogen durch die Menge. Mehr als zwei Dutzend Beamt:innen wurden verletzt, vier davon schwer. Es kam zu Festnahmen wegen Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Ausschreitungen.
Die Botschaften auf Transparenten und von der Bühne waren nicht weniger brutal. Minderheiten wurden attackiert, von Rückeroberung der Straßen war die Rede. Es wurden gefährliche Lügen über einen angeblichen Großen Austausch verbreitet. Elon Musk meldete sich per Video mit Warnungen vor einer Erosion Großbritanniens, während der französische Rechtsextremist Éric Zemmour behauptete, das Land werde von ehemaligen Kolonien kolonisiert. Alles Worte, die bewusst Gift in die Gesellschaft träufeln sollen.
Und mitten in diesem wütenden Spektakel: eine Szene, die uns besonders trifft. Eine Fahne mit der Aufschrift Secular Humanism wurde zerrissen. Das Symbol dafür, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft, Überzeugung und Identität friedlich und gleichberechtigt miteinander leben können, wurde buchstäblich in Stücke gerissen. Das ist mehr als eine Geste – es ist ein Angriff auf die Idee der Menschenwürde selbst.
Wir wissen: In den USA wird Humanismus seit Jahren als Feindbild aufgebaut. Er wird verantwortlich gemacht für Frauenrechte, LGBT-Rechte und liberale Werte. Dass dieses Muster nun in Europa offen sichtbar wird, ist ein Alarmzeichen. Es zeigt, dass jene, die von Angst und Hass leben, Humanismus gezielt ins Visier nehmen. Weil er das ist, was sie fürchten: die vernünftige, menschenfreundliche Alternative zu ihrem zerstörerischen Weltbild.


Keine Resignation – sondern Widerstand
Viele Menschen spüren angesichts solcher Szenen nicht nur Wut, sondern auch Verzweiflung. Es fühlt sich an, als würden Hass und Hetze lauter sein als Mitgefühl und Vernunft. Als hätten die Spalter:innen die Oberhand. Aber genau darauf setzen sie: auf unsere Resignation, auf unser Schweigen. Wenn wir nachgeben, haben sie schon gewonnen.
Die Antwort auf Hass darf niemals Schweigen sein. Die Antwort muss Solidarität sein. Humanismus ist keine Modeerscheinung, kein wokes Projekt, sondern tief verwurzelt in der europäischen Aufklärungstradition. Er steht für Fairness, für die Kraft der Vernunft, für die Fähigkeit des Menschen, in Freiheit und Verantwortung gut zu handeln.
Humanismus heißt: Wir bauen eine Gesellschaft, in der niemand ausgeschlossen wird, in der Rechte geschützt und die Schwachen gestärkt werden. Wir treten jenen entgegen, die Angst verbreiten und zurück ins Gestern wollen.
Humanismus ist die Antwort
Die nationalistische Kundgebung in London war ein Versuch, Fortschritt zu zerstören, Gemeinschaften zu spalten und Freiheit zu untergraben. Wir dürfen das nicht unwidersprochen lassen. Wir müssen jetzt lauter sein, mutiger sein, menschlicher sein.
Denn Humanismus ist nicht das Feindbild, zu dem ihn Extremist:innen machen wollen. Humanismus ist die einzige realistische, lebensfreundliche Grundlage für eine freie und gerechte Gesellschaft. Und er ist stärker als alle Fahnenverbrennungen und Zerstörungsversuche.
Schließt euch Humanist:innen in Österreich an
Die Zerstörung der Humanismus-Fahne in London ist ein Weckruf. Sie zeigt, dass wir uns auch hier in Österreich nicht auf Zuschauerrängen verstecken dürfen. Wer die offene Gesellschaft verteidigen will, muss sie sichtbar machen.
Darum: Schließt euch den Humanist:innen in Österreich an. Zeigen wir gemeinsam, dass Vernunft, Empathie und Menschlichkeit nicht nur verteidigt, sondern gelebt werden. Werdet Teil einer Bewegung, die sich den Kräften des Hasses entgegenstellt und eine menschlichere Zukunft aufbaut.
Hier geht’s zur Mitgliedschaft: https://humanismus.at/mitgliedschaft/
Quellen
In den USA gibt es seit Jahrzehnten deutliche Tendenzen, Humanismus – vor allem säkularen Humanismus – als ideologisches Gegenbild aufzubauen. Das geschieht weniger in Form einer zentral gesteuerten Kampagne, sondern im Kontext der „Culture Wars“, wo konservativ-religiöse Akteur:innen humanistische und wissenschaftliche Positionen immer wieder als Bedrohung für „christliche Werte“ und die „amerikanische Identität“ darstellen. Besonders sichtbar wird das bei Themen wie Evolution, Schulbildung, Abtreibung, LGBTQ-Rechten oder der Trennung von Kirche und Staat.
- Historisch ist der Konflikt schon in den Auseinandersetzungen um Kreationismus und Evolutionsunterricht erkennbar, wo humanistische und wissenschaftliche Stimmen systematisch als Feinde der Religion markiert wurden.
- In aktuellen Kulturkämpfen wird Humanismus indirekt als Feindbild gefasst, indem Säkularismus, Wissenschaftsgläubigkeit oder Rationalismus mit moralischem Verfall und „Anti-Amerikanismus“ gleichgesetzt werden.
- Studien und Bücher wie The Power Worshippers zeigen, dass der religiöse Nationalismus gezielt gegen säkulare und humanistische Prinzipien mobilisiert.
- Daten des Pew Research Centers belegen, dass insbesondere evangelikale Christ:innen ihre Werte im Konflikt mit einer als „säkular“ und „humanistisch“ empfundenen Kultur sehen.
Insgesamt zeigt sich: Humanismus ist in den USA nicht nur eine neutrale philosophische Strömung, sondern wird in konservativen Kreisen aktiv als Gegner markiert.
- Stephen P. Weldon: The Scientific Spirit of American Humanism. Johns Hopkins University Press. https://press.jhu.edu/books/title/11880/scientific-spirit-american-humanism
- Humanism and Science as a Window into the Culture Wars in America. Johns Hopkins University Press. https://press.jhu.edu/newsroom/humanism-and-science-window-culture-wars-america
- Pew Research Center: Views about religion in American society. https://www.pewresearch.org/religion/2020/03/12/views-about-religion-in-american-society/
- Katherine Stewart: The Power Worshippers: Inside the Dangerous Rise of Religious Nationalism. https://en.wikipedia.org/wiki/The_Power_Worshippers

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