Hass, Hetze und der rechtsfreie Raum Social Media | Update
UPDATE
In meiner Schulzeit wurde mein Vater einmal zum Schuldirektor zitiert, weil sich der Geschichtslehrer über mich beschwert habe. Das Ganze spielte sich im Lehrerzimmer vor allen Lehrer:innen ab. Der schwerwiegende Vorwurf lautete, ich hätte den Geschichtslehrer einen Nazi genannt. Zugegeben, das Wort rutschte mir raus, aber der Anlass war eindeutig: Der Lehrer hatte behauptet, schwarze Menschen hätten nicht genügend „Gehirnkapazität“, um ernst genommen zu werden, und könnten gar nicht so weit denken wie weiße Menschen. Darauf konnte ich im Alter von 14 Jahren wohl schon nicht schweigen.
Das weitere Verhalten meines Vaters in dieser Situation war mustergültig. Er antwortete gelassen: „Na, dann hat er doch recht, und wir können jetzt gehen, oder?“ Damit war die Sache beendet – und für mich eine frühe Lektion, dass man bei Menschenverachtung nicht wegschauen darf.
Fünfzig Jahre später lese ich Tom Wannenmachers Artikel über Dunja Hayali und erkenne: Die gleiche Thematik ist immer noch präsent. Damals im Klassenzimmer, heute in Kommentarspalten. Rassismus, Hetze und Drohungen – und die Frage, wie wir damit umgehen. Die erschütternde Kontinuität zeigt: Wir haben als Gesellschaft noch viel zu tun.
Darum möchte ich Toms Artikel hier teilen. Er ist ein Weckruf, den wir Humanist:innen nicht überhören dürfen.
Der Fall Dunja Hayali: Hass, Hetze und der rechtsfreie Raum Social Media
Morddrohungen gegen Journalist:innen sind keine Meinungsäußerung, sondern Straftaten. Doch auf Social Media bleiben sie oft stehen, ohne dass Plattformen oder Strafverfolgung konsequent handeln. Für Betroffene entsteht so ein faktischer rechtsfreier Raum: Drohungen werden sichtbar, Täter bleiben anonym, Konsequenzen folgen selten. Genau das zeigt der Fall Dunja Hayali.
Ein persönliches Wort
Ich schreibe diesen Artikel auch aus persönlicher Erfahrung. Wir bei Mimikama kennen Drohungen und Anfeindungen, sobald wir Fakten veröffentlichen. Nicht in der Schärfe, wie sie Dunja Hayali nun erlebt – aber die Mechanismen sind dieselben: Wer Lügen widerspricht, wer menschenfeindliche Narrative entlarvt, wird zur Zielscheibe.
Mich beschäftigt das zutiefst. Wenn selbst eine prominente Journalistin unter massivem Druck eine Pause nehmen muss, was bedeutet das für kleinere Redaktionen oder Einzelne ohne Reichweite? Wie viele schweigen längst, weil sie diese Drohkulisse nicht aushalten?
Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel: Drohungen sind kein Nebenschauplatz, sie untergraben unsere Pressefreiheit – jeden Tag, auch in unserer Arbeit. Und deshalb fordern wir jetzt Konsequenzen.Wir haben eine Petition gestartet: „Nach den Morddrohungen gegen Dunja Hayali: Politik und Justiz müssen handeln!“
Unterstützt uns dabei – jede Unterschrift ist ein Signal, dass Drohungen keine Meinung sind, sondern Straftaten.
Ein Mord, ein Satz, ein Shitstorm – und plötzlich Morddrohungen gegen eine ZDF-Moderatorin.
Dunja Hayali hat nichts anderes getan als ihre Arbeit. Sie berichtete über den Mord an Charlie Kirk – klar, nüchtern, journalistisch – und ordnete ihn ein. Was in den Nachrichten selbstverständlich ist – Kontext liefern, Haltung zeigen – wurde in den sozialen Netzwerken zur Waffe.
Aus Einordnung wurde Empörung. Aus Empörung Hass. Aus Hass: Morddrohungen.
Im „heute journal“ stellte Hayali klar, dass Schadenfreude über den Tod eines Menschen unzulässig ist – und erinnerte gleichzeitig daran, dass Kirk selbst mit rassistischen, sexistischen und menschenfeindlichen Aussagen polarisiert hatte.
Genau das ist der Kern journalistischer Arbeit: informieren, einordnen, Haltung zeigen.
Das ist kein Ausrutscher, sondern journalistische Pflicht. Wer Kontext liefert, benennt auch die Abgründe, nicht nur die Eckdaten.
Doch genau hier beginnt die digitale Transformation: Was im Fernsehen als sachliche Information läuft, wird in den sozialen Netzwerken zum Rohstoff für Empörung. Algorithmen interessieren sich nicht für Differenzierung, sondern für Reaktionen. Ein Satz, der im Journalismus aufklärend wirkt, verwandelt sich auf Plattformen wie X, Telegram oder YouTube in eine Projektionsfläche. Empörungsportale reißen ihn aus dem Zusammenhang, Netzwerke multiplizieren ihn, Trolle und Aktivist:innen nutzen ihn als Munition.
Das Ergebnis: aus nüchterner Einordnung wird ein Skandal, aus Skandal ein Aufreger, und aus Aufreger schließlich ein digitaler Pranger. Aus Kritik wird Wut, aus Wut Hass – und aus Hass am Ende Drohungen.
Die gezielte Skandalisierung
Das rechte Portal NIUS setzte den Startschuss für die Empörungswelle. Mit der Schlagzeile „Die Hayali-Entgleisung! Sie beschimpft den ermordeten Charlie Kirk als rassistisch, sexistisch und menschenfeindlich“ rahmte es eine Passage aus dem heute journal als „Skandal“.
Faktisch hatte Hayali lediglich Kirks dokumentierte Aussagen eingeordnet und dabei Schadenfreude über seinen Tod verurteilt. Durch die Wortwahl in der Überschrift wurde jedoch der Eindruck erzeugt, sie habe den Ermordeten „beschimpft“.
Solche Mechanismen sind typisch: Eine journalistische Bewertung wird aus ihrem Kontext herausgestellt, zugespitzt und zur Vorlage für Empörung gemacht. Die Absicht liegt weniger in der Aufklärung, sondern in der Produktion eines Feindbildes. Für rechte Medienangebote ist dieses Framing längst Teil ihres Geschäftsmodells.
Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Auf X kursierten Hashtags gegen Hayali, auf YouTube tauchten Zusammenschnitte mit reißerischen Titeln auf, und in einschlägigen Telegram-Kanälen wurde die Moderatorin als „GEZ-Journalistin“ und „Volksfeindin“ gebrandmarkt.
Das Muster ist bekannt: Ein Portal setzt einen Frame, Netzwerke greifen ihn auf, Algorithmen verstärken die Welle. Innerhalb weniger Stunden verschiebt sich der Fokus von der eigentlichen Nachricht auf die Person – und Hayali selbst wird zur Zielscheibe.
Der Kontext Kirk
Wer verstehen will, warum Dunja Hayali in ihrem Kommentar so klar sprach, muss den Kontext Charlie Kirk betrachten.
Kirk war kein „konservativer Aktivist“, wie manche Medien ihn verharmlosend bezeichneten, sondern ein rechtsextremer Provokateur, der über Jahre hinweg menschenfeindliche Narrative in den Mainstream schob.
Seine dokumentierten Aussagen sind eindeutig: Abtreibungen seien „schlimmer als der Holocaust“, prominente schwarze Frauen hätten nicht die „Gehirnkapazität“, um ernst genommen zu werden, der rechtsextreme Verschwörungsmythos vom „Großen Austausch“ sei Realität. Über Trans-Menschen sprach er als „pulsierenden Mittelfinger gegen Gott“, Homosexualität verglich er mit Drogensucht. Hinrichtungen politischer Gegner sollten nach seiner Vorstellung öffentlich stattfinden und im Fernsehen übertragen werden.
Dieses Muster war kein Ausrutscher, sondern sein Geschäftsmodell. Mit „Turning Point USA“ inszenierte Kirk systematisch Provokationen, ging an Universitäten, stellte radikale Thesen in den Raum („Abtreibung ist Holocaust“, „Islam ist anti-amerikanisch“), schnitt die aggressivsten Szenen heraus und veröffentlichte sie mit reißerischen Titeln. Ziel war nie Debatte, sondern die Demütigung von Gegnern – und die Verwertung dieser Inszenierungen für Reichweite und Spenden.
Später radikalisierte er sich weiter, wandte sich dem christlichen Nationalismus zu und übernahm das „7 Mountains Mandate“ – die theokratische Überzeugung, dass Christ:innen alle gesellschaftlichen Bereiche beherrschen müssten. Damit verlagerte er seine Bühne von Universitäten in Kirchen und nutzte religiöse Rhetorik für politische Mobilisierung.
Nach seiner Ermordung inszenierten Teile der US-Rechten ihn sofort als Märtyrer. Trump und andere Politiker stilisierten Kirk zum Symbol im angeblichen „Krieg gegen Konservative“. Seine Witwe erklärte öffentlich: „Das Weinen dieser Witwe wird wie ein Schlachtruf um die Welt hallen.“ Parallel kursierten unbelegte Behauptungen, linke Gruppen hätten den Mord geplant.
Genau hier lag der Kern von Hayalis Kommentar: Mord ist nicht zu rechtfertigen, aber Kirks menschenfeindliche Ideologie darf nicht verschwiegen werden. Dass diese journalistische Differenzierung von rechten Medien skandalisiert und in Social Media zu einer Hasswelle umgedeutet wurde, zeigt, wie sehr das digitale Empörungssystem nicht Wahrheit, sondern Skandal belohnt.
Man muss sich klarmachen: In Hayalis Worten steckt kein Skandal. Mord ist nicht zu rechtfertigen – und Kirks menschenfeindliche Aussagen sind belegt. Das ist nüchterner Journalismus, keine „Entgleisung“. Wer darauf mit Hass, Hetze und Morddrohungen reagiert, zeigt damit nur eines: Er hat den demokratischen Diskurs längst verlassen.
Die Eskalation durch Plattformlogik
Soziale Medien sind keine neutralen Vermittler von Information. Sie sind technische Filter, kommerzielle Produkte und Aufmerksamkeitsmaschinen zugleich. Ihr Grundprinzip lautet: Reaktionen sind Währung. Jeder empörte Kommentar, jede wütende Reaktion, jede Weiterleitung wird vom Algorithmus als „relevant“ gewertet und sorgt dafür, dass ein Beitrag noch häufiger ausgespielt wird. Was bei redaktioneller Arbeit Differenzierung und Kontext wäre, funktioniert für Plattformen als Signal: mehr Klicks, längere Verweildauer, höhere Werbeumsätze.
Das heißt konkret: ein provokanter Framestern reicht, damit der Mechanismus losläuft. Die Empörung erzeugt Interaktion, Interaktion erzeugt Sichtbarkeit, Sichtbarkeit erzeugt neue Empörung — und die Spirale dreht sich hoch.
In Hayalis Fall führte diese Logik nicht zu vereinzelten Beschimpfungen, sondern zu organisierten Wellen von Hass: Beleidigungen, Gewaltfantasien, offene Morddrohungen. Diese Attacken sind selten nur Produkt einzelner Rage-User; sie werden flankiert und verstärkt durch koordinierte Accounts, virale Clips, Screenshot-Kaskaden und Telegram-Threads, die denselben Frame in Endlosschleife verbreiten.
Hayali veröffentlichte exemplarisch einige dieser Drohungen: „Sie haben nur das Allerschlimmste verdient“, „Ich hoffe, Sie werden auch vor Ihrer Familie erschossen.“ Diese Dokumentation ist notwendig — sie macht die Bedrohung sichtbar und belegt, dass hier kein bloßes Trolling, sondern eine reale Gefahr vorliegt.
Gleichzeitig produziert die Sichtbarmachung einen bitteren zweiten Effekt: Die Veröffentlichung fungiert als Beweisstück, das sofort neu geteilt, zitiert und instrumentalisiert werden kann. Die Täter bekommen dadurch genau die Bühne, die ihnen nützt: Aufmerksamkeit und die Bestätigung, dass ihre Taktik wirkt.
Die Moderationsinstrumente der Plattformen versagen an dieser Stelle regelmäßig. Meldesysteme sind langsam oder intransparent, automatisierte Filter über- oder unterreagieren, und konkrete Bedrohungen verschwinden oft nicht sofort. Das ist kein technischer Schönheitsfehler, sondern ein strukturelles Problem: Die Plattformökonomie toleriert und profitiert von Kontroversen, auch wenn diese in Gewaltandrohungen münden.
Das Ergebnis ist ein digitaler Raum, der Einschüchterung effizienter macht als Dialog — und in dem Journalistinnen wie Hayali am Ende die Rechnung zahlen.
Das kalkulierte Opfer-Narrativ
Die Reaktion aus rechten Netzwerken auf Hayalis kurze Pause folgt einem Muster, das man längst kennt. Statt die Drohungen als das zu benennen, was sie sind – Straftaten – werden sie als angebliche „Inszenierung“ umgedeutet. Hayali wolle sich, so die Lesart, künstlich zum Opfer stilisieren, um legitime Kritik zu diskreditieren. Damit entsteht eine zynische Verdrehung: Aus realer Bedrohung wird vermeintliche Schauspielerei, aus Tätern werden angeblich die wahren Opfer, denen „Meinungsfreiheit“ genommen werde.
Dieses Kalkül ist transparent und zugleich hochwirksam. Wer bedroht, will nicht nur Angst erzeugen, sondern auch das eigene Handeln unsichtbar machen. Drohungen erfüllen damit eine doppelte Funktion: Sie sollen die Betroffene einschüchtern und gleichzeitig den Diskurs so verschieben, dass die Bedrohung selbst als „Übertreibung“ oder „Propaganda“ abgetan werden kann. In der Szene ist das längst ritualisiert: Zuerst wird massiv angegriffen, danach jede Kritik an diesen Angriffen als „Zensur“ geframt.
Die Folge ist ein perfider Zirkelschluss. Bedrohungen werden zur doppelten Waffe: Einschüchterung gegenüber der Betroffenen, und Propaganda-Material für die Angreifer. Wer lautstark Gewalt androht, kann am Ende sogar behaupten, in Wahrheit selbst zum Opfer einer „Medienkampagne“ geworden zu sein. Genau diese Umkehrung macht die Dynamik so gefährlich – und so schwer zu durchbrechen.
Am 14. September veröffentlichte Hayali auf Instagram eine handschriftliche Notiz: „Aus Gründen mal ein paar Tage Pause … Danke für die anständigen, kritischen Kommentare! Take Care, dh.“
Verbunden war sie mit weiteren Screenshots von Morddrohungen. Ihre Entscheidung zur Auszeit machte deutlich, wie real die Einschüchterung geworden ist. Dass selbst eine prominente Journalistin wie Hayali mit Hunderttausenden Followern zu diesem Schritt gezwungen wird, zeigt die Dimension des Problems:
Hass im Netz ist kein Nebenschauplatz, sondern ein direkter Angriff auf die Pressefreiheit.
Die Verantwortung der Arbeitgeber
Parallel dazu wächst die Kritik an der Zurückhaltung des ZDF. In Kommentarspalten und auf Social Media fordern Zuschauer:innen, dass der Sender sich unmissverständlich vor seine Moderatorin stellt. Wer Journalist:innen in die erste Reihe stellt, trägt auch Verantwortung, wenn diese attackiert werden.
Es reicht nicht, Hass still im Hintergrund zu verurteilen. Medienhäuser müssen ihre Mitarbeiter:innen sichtbar schützen, klare Signale setzen und juristische Schritte prüfen. Alles andere sendet ein fatales Signal – nicht nur an die Betroffenen, sondern auch an die Täter: dass sie ungestört weitermachen können.
Die politische Verantwortung
Dass Morddrohungen gegen Journalist:innen immer noch folgenlos bleiben, ist ein Skandal für sich. Wer eine Journalistin offen bedroht – „Ich hoffe, Sie werden auch vor Ihrer Familie erschossen“ – begeht keine „Meinungsäußerung“, sondern eine Straftat.
Dass solche Täter in vielen Fällen ungestraft davonkommen, liegt nicht nur am Versagen der Plattformen, sondern auch am mangelnden politischen Willen und an Justiz, die Verfahren schleifen lässt.
Wenn Drohungen gegen Journalist:innen keine harten Konsequenzen haben, entsteht ein fatales Signal: Einschüchterung lohnt sich. Politik und Strafverfolgung tragen dadurch Mitverantwortung, wenn rechte Hetzer den öffentlichen Diskurs kapern. Strafvereitelung im Amt und Wegsehen sind keine Petitesse, sondern ein Angriff auf die Pressefreiheit durch Unterlassen.
Wer heute wegschaut, macht sich mitschuldig daran, dass die Vierte Gewalt im Staat Schritt für Schritt entmachtet wird.
Was auf dem Spiel steht
Der Fall Dunja Hayali ist mehr als eine persönliche Episode. Er steht sinnbildlich für den Preis, den Journalistinnen und Journalisten zahlen, sobald sie Haltung zeigen.
Wer Menschenfeindlichkeit offen benennt, wird nicht nur kritisiert, sondern zur Zielscheibe von Angriffen, die bis ins Private reichen. Morddrohungen, die Familienangehörige einbeziehen, markieren die Eskalationsstufe, an der deutlich wird: Es geht nicht mehr um Debatte, sondern um Einschüchterung.
Das eigentliche Risiko betrifft jedoch nicht die Einzelne, sondern die Öffentlichkeit insgesamt. Wenn Journalist:innen mit Gewaltandrohungen rechnen müssen, sobald sie klare Worte wählen, entsteht ein Klima der Selbstzensur.
Die Botschaft an alle lautet: Wer unbequem ist, soll Angst haben. Genau darin liegt der strategische Zweck dieser organisierten Hetze – nicht die inhaltliche Auseinandersetzung, sondern die Verdrängung kritischer Stimmen aus dem öffentlichen Raum.
Eine Gesellschaft, die das hinnimmt, verliert schleichend ihre Pressefreiheit. Nicht durch offene Verbote, sondern durch die stille Wirkung der Drohung. Wenn Einschüchterung funktioniert, wenn Hass die Oberhand gewinnt, dann entscheidet nicht mehr die Qualität journalistischer Arbeit über die Themen, sondern die Drohkulisse von Netzwerken, die Gewaltfantasien massenhaft verbreiten.
Hayalis Pause ist daher nicht nur ihr persönlicher Schutz, sondern auch ein Alarmsignal: Pressefreiheit lebt nicht allein von Gesetzen, sondern davon, dass diejenigen, die sie ausüben, ohne Angst arbeiten können. Wird diese Grundlage zerstört, verliert die Demokratie Stück für Stück ihre Stimme.
Fazit
Man muss sich klarmachen: In Hayalis Worten steckt kein Skandal. Mord ist nicht zu rechtfertigen – und Kirks menschenfeindliche Aussagen sind belegt. Das ist nüchterner Journalismus, keine „Entgleisung“.
Der eigentliche Skandal liegt darin, dass Plattformen solche Sätze zur Munition für Hasskampagnen machen, Drohungen millionenfach sichtbar lassen und daran verdienen. Wenn Politik und Justiz daraus keine Konsequenzen ziehen, machen sie sich mitschuldig.
Pressefreiheit darf nicht am Geschäftsmodell der Empörungsindustrie scheitern – sie muss verteidigt werden, mit klaren Regeln, harter Strafverfolgung und einem Ende der Profitlogik mit Hass.
Ich schreibe das nicht nur als Beobachter, sondern als jemand, der selbst erlebt hat, wie Faktenchecks Drohungen nach sich ziehen.
Wenn selbst eine prominente Journalistin wie Dunja Hayali diesem Druck ausgesetzt ist, was bedeutet das für kleinere Redaktionen, Initiativen, Einzelne? Der Fall Hayali ist ein Weckruf. Er zeigt, dass die Verteidigung der Pressefreiheit keine abstrakte Debatte ist – sondern eine tägliche, konkrete Notwendigkeit.
Unsere Petition: Drohungen sind keine Meinung
Der Fall Dunja Hayali zeigt: Morddrohungen gegen Journalist:innen sind in Deutschland und Österreich noch immer Alltag – und bleiben zu oft ohne Konsequenzen. Das bedroht die Pressefreiheit und stärkt die Angreifer.
Wir fordern: Konsequente Strafverfolgung, spezialisierte Staatsanwaltschaften für digitale Hasskriminalität und klare Verantwortung der Plattformen.
Unterzeichnen Sie jetzt unsere Petition

Tom Wannenmacher: „Der Fall Dunja Hayali: Hass, Hetze und der rechtsfreie Raum“, mimikama.org
https://www.mimikama.org/dunja-hayali-hass-hetze-rechtsfreie-raum/
Mimikama Positionspapier vom 19.09.2025
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