Jahresrückblick: Bundesministerium für Humanismus

Das Bundesministerium für Humanismus, Ethik und Menschenrechte (bm.hem) war auch 2025 wieder nicht erreichbar, nicht wegen Personalmangels, sondern aus Prinzip. Wer sich um Vernunft, Menschenwürde und Mitgefühl kümmert, kann nicht gleichzeitig erreichbar sein für Ideologien, Traditionen und beleidigte Dogmen.

Dennoch hat das Bundesministerium, geschlossen wie immer, das Jahr aufmerksam beobachtet und eine erstaunlich korekte und kluge interne Bilanz erstellt, diese sei nun hiermit versehentlich öffentlich gestellt worden.

Allgemeine Lageeinschätzung

2025 war ein stabiles Jahr.

  • Stabil irrational.
  • Stabil unvernünftig.
  • Stabil überzeugt davon, dass Gefühle ein Ersatz für Fakten sind, solange sie laut genug vorgetragen werden.

Die Menschheit verfügte erneut über Satelliten, KI Modelle, medizinisches Spitzenwissen, und entschied sich gleichzeitig dafür, astrologische Erklärungen im Fernsehen ernster zu nehmen als Studien.

Das Bundesministerium vermerkt:
Fortschritt bleibt selektiv, aber freut sich über die Aktion Astroshit, mit der der ORF selektiv entastrologisiert wurde.

Politik und Moral, bewährt widersprüchlich

Politische Entscheidungsträger:innen erklärten auch 2025, sie müssten Verantwortung übernehmen, was in der Praxis bedeutete, sie übernahmen sie nicht. Was in der Praxis auch bedeutete: Menschenrechte wurden feierlich beschworen, solange sie abstrakt blieben. Sobald sie konkret wurden, gelten sie als kompliziert. Und recht(s)gläubige Menschen wollten sie gar demontieren

Religiöse Institutionen meldeten sich verlässlich zu Wort, besonders zu Themen, die sie nichts angingen und schwiegen verlässlich bei Themen, die sie angingen. Ethik wurde weiterhin mit Tradition verwechselt, Moral mit Mehrheitsmeinung, und Gewissen mit Parteiprogrammen.

Das Bundesministerium hält daher fest:
Moral mit Ablaufdatum bleibt problematisch.

Säkularität, ein Zukunftsprojekt mit nostalgischem Flair

Auch 2025 war die Trennung von Staat und Religion offiziell, komplett und perfekt vollzogen. Echt. In etwa so, wie ein Paar getrennt ist, das weiterhin zusammen schläft, wohnt, gemeinsam wirtschaftet und sich gegenseitig beim Namen nennt.

Kirchliche Sonderrechte galten als historisch gewachsen, was ein höflicher Ausdruck dafür ist, dass niemand den Mut hatte, sie abzuschaffen. Neutralität wurde betont, während Kreuze hängen blieben, insbesondere im Verfassungsrecht durch das Konkordat, bei der Einhebung des Kirchenbeitrags mit staatlicher Unterstützung, im konfessionellen Religionsunterricht als staatlichem Schulfach, im kirchlichen Arbeitsrecht, beim privilegierten Zugang zu öffentlichen Fördermitteln, bei der Präsenz religiöser Symbole und Rituale im staatlichen Raum sowie durch den Körperschaftsstatus öffentlichen Rechts ausschließlich für Religionsgesellschaften.

Das Bundesministerium empfiehlt:
Neutralität ernst nehmen oder den Begriff sofort aus dem Wortschatz zu entfernen.

Wissenschaft, ungeliebt aber nützlich

Kurzes Fazit:

  • Die Wissenschaft lieferte Daten, Studien, Wahrscheinlichkeiten und Erklärungen.
  • Die Öffentlichkeit lieferte Zweifel, Bauchgefühle und YouTube Videos.

Expert:innen wurden gehört, solange sie bestätigten, was man ohnehin dachte, sobald sie widersprachen, galten sie als Teil eines Systems, das man nicht näher definieren konnte, aber entschieden ablehnte. Mehr noch, die ganze Wissenschaft wurde abgelehnt, wenn sie der Youtube-Universität, festen Axiomen oder Beweisen widersprach, evidenzbasiertes Denken war nur etwas für die Schlafschafe.

Goldene Aluhüte und Goldene Bretter gibt es genug…

Das Bundesministerium stellt fest:
Evidenz ist unbequem, weil sie keine Rücksicht auf Meinungen nimmt.

Die Humanistische Akademie, wenn das Ministerium schläft

Während das Ministerium geschlossen blieb, wurde die Humanistische Akademie wach. Sie zeigt auf, was in Österreich tatsächlich geschieht, in Fragen der Menschenrechte, der Ethik, des Humanismus.

Nicht abstrakt, sondern konkret.
Nicht beschwichtigend, sondern präzise.
Nicht im Einklang mit dem Mainstream, sondern mit der Realität.

Wo politische Rhetorik beruhigt, visualisiert die Akademie.
Wo Debatten vernebeln, strukturiert sie.
Wo Werte beschworen werden, fragt sie nach Umsetzung, Zuständigkeit und Folgen.

Wenn das Ministerium schläft, muss eben die Wissenschaft ran, und wenn es nur mit schnöden Grafiken ist, die zeigen, wo Grundrechte ausgehöhlt werden, wo Diskriminierung normalisiert wird, und wo Humanismus zur Randnotiz degradiert ist.

Die Akademie beläßt es nicht beim Aufzeigen, sie bildet in Zukunft auch aus.
In Menschenrechten, in Ethik, in humanistischer Urteilskraft.
Pro bono auch für alle Beamten des Ministeriums.

Nicht als Gesinnungsschulung, sondern als intellektuelle Selbstverteidigung für Interessierte, und als Daseinsberechtigung für die Beamten des Ministeriums.

Das Bundesministerium vermerkt:
Das ist ganz klar kein Ersatz für Politik, aber eine Zumutung für Bequemlichkeit. Und überlegt, ob es sich anmeldet.

Medien, Empörung als Geschäftsmodell

Empörung blieb auch 2025 eine zuverlässige Ressource.
Komplexität wurde reduziert, Kontexte verkürzt, und jede Debatte erfolgreich polarisiert.

Humanistische Positionen hatten es schwer, weil sie weder einfache Feindbilder noch Erlösungsversprechen anbieten.
Vernunft klickt schlechter als Skandal, Mitgefühl langsamer als Wut.

Das Bundesministerium erkennt an:
Aufklärung ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf mit Gegenwind.


Der Humanismus, erstaunlich unbeirrbar

Was bleibt also?

Humanist:innen erklärten auch 2025 geduldig, dass Humanismus keine Ersatzreligion ist, keine Ideologie, kein moralischer Absolutismus, sondern eine Haltung. Diese Erklärung musste ca. 15.000 mal wiederholt werden, meist

  • gegenüber Menschen, die Religion für neutral und Weltanschauung für gefährlich halten,
  • gegenüber Menschen, die Religionsfreiheit nicht als mögliche Freiheit eben von Religion verstanden und
  • gegenüber Menschen, die nicht verstanden, dass Menschenrechte eine Waffe sind.

Humanistisches Engagement blieb unspektakulär, solidarisch, wirksam.
Es half konkret, statt symbolisch.
Es widersprach, statt zu beschwichtigen.
Es blieb unbequem.

Die Humanistische Akademie liefert dazu die geistige Infrastruktur.
Das Humanistische Ministerium liefert Schweigen, was in diesem Fall kein Nachteil war.

Abschlussbemerkung aus dem geschlossenen Haus

2025 hat wieder einmal nichts entschieden.
Aber es hat vieles sichtbar gemacht.

  • Dass Würde verteidigt werden muss.
  • Dass Vernunft kein Selbstläufer ist.
  • Dass Humanismus Arbeit bedeutet, keine Haltung zum Anstecken.

Das Bundesministerium für Humanismus, Ethik und Menschenrechte bleibt auch im kommenden Jahr wahrscheinlich geschlossen.
Aus Verantwortung.
Und aus Hoffnung.

In Zusammenarbeit mit einer Akademie, die offen bleibt.

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