Kath.net rechnet, und wir rechnen nach

Ein entlarvendes Gedankenexperiment für kath.net

Man muss es kath.net lassen: Sie haben eine einzigartige Fähigkeit, die Realität so weit zu verengen, dass sie bequem in ein Weihwasserbecken passt. Da wird ernsthaft behauptet, 380 Millionen Menschen seien von fehlender Religionsfreiheit betroffen – während die tatsächliche Weltbevölkerung 2025 bei 8,23 Milliarden Menschen liegt. Ein mathematischer Unfall? Ein journalistisches Versagen? Oder – und jetzt kommt der wirklich zynische, aber leider naheliegende Gedanke – gelten für kath.net Nichtchristen schlicht nicht als Menschen?

Denn anders lässt sich diese groteske Verkleinerung der Welt kaum erklären. Wenn man von 380 Millionen Betroffenen spricht, dann schneidet man nicht nur ein paar Länder weg, sondern 95 Prozent der Menschheit. Das ist kein Fehler mehr, das ist eine Generalabrechnung mit der Realität. Oder anders betrachtet: Hier sieht man mit weniger als 18 Grad Rundumsicht, die wäre 360 Grad.

Das unausgesprochene Menschenbild hinter der Zahl

Die 380 Millionen entsprechen ungefähr der Zahl der verfolgt oder diskriminiert lebenden Christ:innen weltweit. Und kath.net setzt diese Zahl kurzerhand mit der betroffenen Weltbevölkerung gleich. Das ist keine Statistik, das ist eine Weltanschauung, und die unausgesprochene Logik lautet: Nur Christen sind Menschen im rechtlichen, moralischen oder politischen Sinne – der Rest ist Dekoration, Störung oder Missionsziel.

Würde man das kath.net offen fragen, käme natürlich ein empörter Aufschrei. Aber Zahlen lügen nicht. Und ihre Zahlen sagen:

Wir zählen nur Christen. Der Rest der Welt zählt nicht als Menschen im Kontext von Menschenrechten.

Das ist – und das muss man so klar formulieren – ein zutiefst entlarvendes Menschenbild.

Menschenrechte als konfessionelles Abzeichen?

Religionsfreiheit ist ein universelles Recht. Artikel 18 gilt für alle. Für die 8,23 Milliarden Menschen, die auf diesem Planeten leben. Nicht nur für jene, die in einer Kirche sitzen, die der Redaktion von kath.net sympathisch erscheint.

Doch kath.net verkleinert die Welt, bis sie in die eigene Dogmatik passt. Das ist, als würde man sagen:

Menschenrechte gelten für alle Menschen. Und Menschen sind wir Christen.

Das ist nicht bloß selektive Wahrnehmung, es ist selbstherrliche Anmaßung.

Die könnte-man-ja-fast-meinen-Frage

Wenn ein Medium systematisch Millionen und Milliarden Menschen aus seinem Menschenrechtsdiskurs ausschließt, dann muss man die Frage stellen – natürlich zynisch, aber notwendig:

Hält kath.net Nichtchristen für Menschen zweiter Klasse – oder überhaupt nicht für Menschen?

Denn wer konsequent in der Öffentlichkeit behauptet, „380 Millionen Menschen“ seien die Gesamtmenge der Betroffenen, der kommuniziert faktisch: Alle anderen sind irrelevant. Nicht gemeint. Nicht eingeschlossen.

In jedem anderen Kontext würde man das Menschenverachtung nennen. Bei kath.net heißt es „journalistische Einordnung“.

Die tatsächliche Lage – für Humanist:innen trivial, für kath.net offenbar unzumutbar

Religionsfreiheit betrifft alle Menschen, alle 8,23 Milliarden, ob Christ:in, Muslim:in, Bahai, Hindu, Jüd:in, Atheist:in oder schlicht jemand, der keine Lust auf religiöse Übergriffigkeit hat.

Wer diese Universalität bestreitet, der betreibt keine Berichterstattung, sondern theologische Anthropologie:

Mensch ist, wer in unser Weltbild passt.

Wir sagen:: No way! Genau deshalb ist unser Humanismus notwendig, weil wir nicht akzeptieren, dass die Definition von „Mensch“ von irgendeiner Religion abhängt – und schon gar nicht von einer Webseite, die vier Fünftel der Menschheit aus ihrem Denkraum radiert.

Quellen

(1) https://www.worldometers.info/world-population
(2) https://www.un.org/en/global-issues/human-rights
(3) https://www.pewresearch.org/religion/religious-landscape-study/
(4) https://www.kathpress.at/goto/meldung/2531507/plakolm-und-kirchenvertreter-betonen-bedeutung-von-religionsfreiheit

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