Nachruf auf Erich von Däniken
Erfolg um den Preis der Wahrheit
Erich von Däniken war für viele ein Staunen-Macher. Kaum ein deutschsprachiger Autor hat so viele Menschen dazu gebracht, sich für die frühe Geschichte der Menschheit zu interessieren. Seine Bücher wurden millionenfach gelesen, weltweit verbreitet und begeistert weiterempfohlen. Er stellte eine einfache, aber wirkungsvolle Frage: Was, wenn wir nicht allein waren?
Diese Frage war der Schlüssel zu seinem Erfolg. Doch sie war kein offenes Nachdenken, sondern ein Versprechen. Von Däniken erzählte Geschichten von Göttern aus dem All, von fremden Wesen, die angeblich unsere Vorfahren besucht und ihnen beim Bauen, Rechnen oder vor allem beim Denken geholfen haben sollen. Diese Geschichten waren spannend, leicht verständlich und groß gedacht. Aber sie ersetzten Erklären durch Behaupten.
Denn immer wieder lief seine Botschaft auf dasselbe hinaus: Das konnten Menschen nicht selbst. Wo alte Kulturen Großes leisteten, sah er Überforderung. Wo Menschen mühsam Wissen sammelten und weitergaben, vermutete er fremde Hilfe. Wo Geschichte lückenhaft oder schwer verständlich ist, setzte er Außerirdische ein. Zweifel wurden zu Beweisen erklärt, fehlende Antworten zu sicheren Aussagen.
Das ist kein Forschen, sondern Ausweichen. Es ist der einfache Weg: Statt Geduld zu haben, wird Fantasie eingesetzt. Statt genau hinzuschauen, wird das Unbekannte mit großen Worten gefüllt. Widerspruch galt nicht als Hilfe, sondern als Angriff. Fachleute erschienen als Spaßverderber, nicht als Menschen, die versuchen, der Wahrheit näherzukommen.
Problematisch ist daran nicht nur, dass diese Geschichten falsch sind, sondern was sie über den Menschen sagen. Sie trauen ihm wenig zu. Sie stellen menschliche Erfindungskraft, Ausdauer und Klugheit infrage – gerade dort, wo sie am eindrucksvollsten sichtbar sind. Alte Bauwerke, Mythen oder Kalender werden nicht als Ergebnis harter Arbeit, vieler Fehler und langer Erfahrung gesehen, sondern als Geschenk von außen.
Besonders bitter ist das dort, wo es um Kulturen außerhalb Europas geht. Ihnen wird oft indirekt abgesprochen, wozu man anderen ganz selbstverständlich fähig glaubt. Der Ton ist bewundernd, die Aussage aber abwertend: So weit konnten sie allein nicht kommen. Das ist keine Hochachtung, sondern eine moderne Form von Geringschätzung.
Dass von Däniken viele Menschen neugierig gemacht hat, ist unbestreitbar. Er hat Gespräche angestoßen und Interesse geweckt. Doch allzu oft blieb es beim Staunen. Der nächste Schritt – genaues Prüfen, langsames Verstehen, auch das Aushalten von Unsicherheit – wurde übersprungen. Seine Bücher machten die Vergangenheit geheimnisvoller, aber nicht verständlicher.
Erich von Däniken war nicht nur kein einfacher Lügner, sondern auch ein sehr begabter Erzähler. Aber sein Erfolg zeigt, wie leicht sich Aufmerksamkeit gewinnen lässt, wenn man einfache Antworten auf schwierige Fragen verspricht. Und wie bereitwillig viele den Anspruch auf Wahrheit senken, wenn dafür große Bedeutung geboten wird.
Ein ehrlicher Nachruf muss das sagen. Nicht aus Besserwisserei, sondern aus Respekt vor dem Menschen.
Die Menschheit braucht keine Besucher aus dem All, um erklärenswert zu sein.
Sie ist es aus sich selbst heraus.
Warum diese Sicht dem Menschen und dem Humanismus widerspricht
Die berechtigte Frage lautet: Warum steht das jetzt hier? Ich möchte das erklären:
Humanistisch zu denken heißt, dem Menschen etwas zuzutrauen. Es heißt, ihn ernst zu nehmen als ein Wesen, das lernen kann, scheitert, wieder aufsteht, Fehler macht und aus eigener Kraft weiterkommt. Es heißt, seine Geschichte als menschliche Geschichte zu verstehen – nicht als Randnotiz fremder Mächte.
Die Vorstellung, der Mensch habe seine größten Leistungen nur mit Hilfe von Wesen aus dem All vollbringen können, stellt genau das infrage. Sie sagt im Kern: Der Mensch reicht nicht aus. Seine Klugheit, seine Ausdauer, seine Fantasie und seine Zusammenarbeit genügen nicht, um zu erklären, was er geschaffen hat. Also müssen Stellvertretergötter her – technisch verkleidet, modern benannt, aber in ihrer Funktion altbekannt.
Das ist keine Aufwertung, sondern eine Abwertung. Sie nimmt dem Menschen die Verantwortung für seine guten wie schlechten Taten und raubt ihm zugleich den Stolz auf das, was er erreicht hat. Wenn alles Große von außen kam, bleibt der Mensch ein Zuschauer seiner eigenen Geschichte.
Humanismus widerspricht dem entschieden. Er sieht den Menschen nicht als perfekt, sondern als fähig. Fähig zu bauen, ohne Baupläne vom Himmel. Fähig zu glauben, ohne belehrt zu werden. Fähig, Ordnung im Chaos zu schaffen, Wissen weiterzugeben und Sinn zu suchen – auch ohne fremde Lenker, und vor allem: Verantwortung zu übernehmen.
Gerade die Unvollkommenheit des Menschen macht seine Leistungen bedeutsam. Pyramiden, Tempel, Schrift, Kunst und Wissenschaft sind nicht beeindruckend, weil sie fehlerlos sind, sondern weil sie unter Mühe, Irrtum und Begrenzung entstanden. Wer dafür außerirdische Helfer bemüht, löscht diesen menschlichen Weg komplett aus.
Deshalb ist diese Sicht zutiefst nicht humanistisch. Sie ersetzt Vertrauen in den Menschen durch Misstrauen, Erklärung durch Ausrede und Staunen durch Kapitulation. Sie sagt nicht: Seht, was der Mensch kann, sondern: So etwas kann er nicht können. Sie zerrt, wie auch die Religionen, einen Stellvertreter hervor – bei den einen ist es Gott, bei von Däniken sind es die Aliens.
Ach, lasst den Stellvertreter einfach stecken – wir schaffen das schon!
Ein persönliches Wort zum Schluss
- Ich habe Erich von Däniken nie ernst nehmen können. Nicht aus Geringschätzung für den Menschen, sondern aus Respekt vor ihm. Seine Geschichten waren unterhaltsam, manchmal sogar anregend, doch sie widersprachen für mich immer dem, was menschliche Geschichte ausmacht: dem Lernen, dem Irrtum, dem Fall, dem Krönchen richten, dem erneuten Versuch.
Und dem eigenen Denken. - Meinen ersten Artikel für eine Zeitung habe ich im Mai 1977 geschrieben, in der Schülerzeitung rimpung unseres Gymnasiums, eben auch über Däniken.
Mir hatte die These Die menschliche Intelligenz habe sich nicht durch die Evolution gebildet, sondern durch häufigen Geschlechtsverkehr, den die von fremden Planeten angereisten Astronauten mit den weiblichen Menschenaffen der Erde solange betrieben hätten, bis dadurch Wesen gezeugt worden seien, die man mit gesellschaftlichen Gepflogenheiten vertraut machen konnte total gut gefallen, und ich habe sie in epischer Weise ausgekostet…
Siehe auch
https://blog.gwup.net/2026/01/12/gastbeitrag-erich-von-daeniken-verstorben-%e2%80%92-ein-nachruf-von-leif-inselmann/ und
https://hpd.de/artikel/zum-tode-erich-daenikens-23712

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