Secular matters I
Alles, was nichts mit Religion zu tun hat – schlagen die einschlägigen Übersetzungsprogramme vor, ach, warum habe ich die Trottel nur gefragt, ich übersetze mit: Säkularität zählt und erwarte striktes Sperrfeuer von Roland Gugganig ob dieser Übersetzung. 🙂
Secular matters ist ein Podcast über Säkularismus und Humanismus, der sich thematisch auf Interviews mit Personen aus dem Umfeld säkularer, humanistischer und gesellschaftspolitischer Bereiche konzentriert.
Die Sendungen erscheinen monatlich am 1. eines jeden Monats und umfassen Gespräche über weltliche und nicht-religiös geprägte Fragestellungen.
Der Podcast wird von Andreas Kyriacou erstellt und moderiert. Andreas ist ein säkularer Humanist und Aktivist, der in der Freidenker-Bewegung der Schweiz aktiv ist, er war Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz und ist ein Freund vor mir.
Seine publizistischen Aktivitäten umfassen Beiträge zu säkularen und gesellschaftspolitischen Themen (z. B. Kritik an kirchlichen Privilegien, Bedeutung von Religionsfreiheit und kritischen Debatten über Islam, Apostasie und säkulare Politik), er ist aber auch Gründer von säkularen Initiativen wie denkfest, CampQuestCH und apostasyday, die sich mit Humanismus, kritischer Auseinandersetzung mit Religion und säkularem Aktivismus befassen.
Secular matters richtet sich an ein internationals Publikum mit Interesse an säkularen, humanistischen Perspektiven und ist inhaltlich stärker auf intellektuelle Debatte und Interviews ausgelegt als auf Unterhaltung. Der Podcast deckt Fragen ab, die in säkular-humanistischen Diskursen eine Rolle spielen, etwa Staat-Religion-Trennung, muslimische Ethikfragen, Menschenrechte für Nichtglaubende und globale säkulare Bewegungsthemen.
Die erste Podcastfolge mit Taha Siddiqui wirkt aus österreichischer Perspektive zunächst wie ein Blick in eine ferne Realität. Religiöser Fanatismus, staatliche Repression, Exil, Lebensgefahr für Journalist:innen. Genau darin liegt die eigentliche Gefahr dieser Erzählung: Sie lädt dazu ein, Säkularismus als Problem anderer Länder zu betrachten. Das ist eine bequeme Illusion.
Österreich ist kein religiöser Gottesstaat, aber auch kein säkularer Rechtsstaat im strengen Sinn. Die in der Folge geschilderten Mechanismen religiöser Machtausübung erscheinen hierzulande abgeschwächt, institutionell eingebettet und gesellschaftlich normalisiert. Staatlich eingehobene Kirchenbeiträge, kirchliches Arbeitsrecht, konfessioneller Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, Sonderrechte für Religionsgemeinschaften, all das ist Ausdruck desselben Grundproblems, das Siddiqui aus Pakistan beschreibt: Religion als strukturierte Macht, nicht als Privatsache.
Der Unterschied liegt nicht im Prinzip, sondern im Grad der Durchsetzung. Während in Pakistan Gewalt, Haft und Tod drohen, sind es in Österreich soziale Sanktionen, politische Blockaden und rechtliche Privilegien. Wer hier religiöse Dogmen infrage stellt, verliert nicht sein Leben, aber gesellschaftlichen Einfluss. Wer säkulare Reformen fordert, gilt schnell als intolerant oder kulturfeindlich. Diese Mechanik ist harmloser, aber nicht harmlos.
Besonders relevant ist Siddiquis Beschreibung von Religion als identitätsstiftendem Machtinstrument. Auch in Österreich wird Religion zunehmend politisiert. Christliche Symbolpolitik, Berufung auf ein angeblich christliches Abendland, religiös grundierte Abwehr gegen sexuelle Selbstbestimmung und reproduktive Rechte. Die Argumentationsmuster unterscheiden sich rhetorisch, nicht strukturell. Auch hier dient Religion der Legitimation von Ausgrenzung.
Die Folge legt zudem offen, wie zentral Meinungsfreiheit für säkulare Gesellschaften ist. In Österreich ist diese Freiheit formal garantiert, faktisch aber eingeschränkt, sobald religiöse Gefühle ins Spiel gebracht werden. Blasphemieparagraphen existieren weiterhin. Politische Rücksichtnahme auf Kirchen und Religionsgemeinschaften führt regelmäßig dazu, dass Kritik entschärft oder ausgelagert wird. Siddiquis Erfahrungen zeigen, wohin solche Kompromisse langfristig führen.
Aus österreichisch-humanistischer Sicht ist diese Podcastfolge deshalb keine exotische Fallstudie, sondern eine Warnung. Sie zeigt, was passiert, wenn Religion nicht konsequent aus staatlichen Strukturen zurückgedrängt wird. Sie macht deutlich, dass Säkularismus kein Luxus stabiler Demokratien ist, sondern deren Voraussetzung.
Der entscheidende Unterschied zwischen Pakistan und Österreich ist nicht die Abwesenheit religiöser Macht, sondern der bisherige Erfolg zivilgesellschaftlicher Gegenwehr. Dieser Erfolg ist jedoch nicht garantiert. Er muss politisch verteidigt werden, rechtlich abgesichert und gesellschaftlich erklärt. Die Podcastfolge mit Taha Siddiqui liefert dafür kein fertiges Programm, aber ein scharfes Argument: Wer Religion institutionell privilegiert, öffnet immer die Tür zur Unterdrückung, früher oder später.
Links
(1) Podcastfolge „Taha Siddiqui, Pakistani journalist and author living in Paris in exile“:
https://podcasts.apple.com/de/podcast/taha-siddiqui-pakistani-journalist-and-author-living/id1836815978?i=1000724307774
(2) Podcast „Secular Matters“:
https://podcasts.apple.com/de/podcast/secular-matters/id1836815978
(3) Wikipedia-Eintrag zu Taha Siddiqui:
https://en.wikipedia.org/wiki/Taha_Siddiqui

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