Secular matters IV
Alles, was nichts mit Religion zu tun hat – schlagen die einschlägigen Übersetzungsprogramme vor, ach, warum habe ich die Trottel nur gefragt, ich übersetze mit: Säkularität zählt und erwarte striktes Sperrfeuer von Roland Gugganig ob dieser Übersetzung. 🙂
Secular matters ist ein Podcast über Säkularismus und Humanismus, der sich thematisch auf Interviews mit Personen aus dem Umfeld säkularer, humanistischer und gesellschaftspolitischer Bereiche konzentriert.
Die Sendungen erscheinen monatlich am 1. eines jeden Monats und umfassen Gespräche über weltliche und nicht-religiös geprägte Fragestellungen.
Der Podcast wird von Andreas Kyriacou erstellt und moderiert. Andreas ist ein säkularer Humanist und Aktivist, der in der Freidenker-Bewegung der Schweiz aktiv ist, er war Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz und ist ein Freund vor mir.
Seine publizistischen Aktivitäten umfassen Beiträge zu säkularen und gesellschaftspolitischen Themen (z. B. Kritik an kirchlichen Privilegien, Bedeutung von Religionsfreiheit und kritischen Debatten über Islam, Apostasie und säkulare Politik), er ist aber auch Gründer von säkularen Initiativen wie denkfest, CampQuestCH und apostasyday, die sich mit Humanismus, kritischer Auseinandersetzung mit Religion und säkularem Aktivismus befassen.
Secular matters richtet sich an ein internationals Publikum mit Interesse an säkularen, humanistischen Perspektiven und ist inhaltlich stärker auf intellektuelle Debatte und Interviews ausgelegt als auf Unterhaltung. Der Podcast deckt Fragen ab, die in säkular-humanistischen Diskursen eine Rolle spielen, etwa Staat-Religion-Trennung, muslimische Ethikfragen, Menschenrechte für Nichtglaubende und globale säkulare Bewegungsthemen.
In der vierten Folge spricht der Moderator mit Andrew Copson, einem der profiliertesten säkular-humanistischen Führungskräfte Europas. Copson reflektiert:
- Entwicklung der internationalen humanistischen Bewegung in den letzten zehn Jahren, insbesondere den Bedeutungszuwachs von Gruppen aus dem Globalen Süden innerhalb von Humanists International. (1)
- Kulturelle Unterschiede zwischen humanistischen und säkularen Organisationen, etwa ob sie eher für strikte Trennung von Staat und Glaubensgemeinschaften oder eher für Inklusion humanistischer Organisationen in Bereiche, die traditionell religiösen Gruppen vorbehalten sind, lobbyieren. (1)
- Herausforderungen und Chancen, die sich daraus ergeben, dass immer mehr Menschen, die aus religiösen Kontexten (z. B. aus muslimischen Gemeinschaften) kommen, sich als Nichtglaubende oder Humanist:innen organisieren und Humanists UK und andere Gruppen neu prägen. (1)
Copson erwähnt auch seine publizistischen Arbeiten, darunter The Little Book of Humanism und What I Believe – letztere auch als eigener Podcastreihe des Humanists UK-Teams. (1)
Wer ist Andrew Copson?
Andrew Copson ist ein britischer säkular-humanistischer Aktivist, Autor und Führungskraft. Er ist seit 2010 CEO von Humanists UK, einer der größten säkular-humanistischen Organisationen Europas, und war bis 2025 Präsident von Humanists International, dem globalen Dachverband säkular-humanistischer Gruppen.
Copson ist Autor mehrerer Werke über Humanismus, Kirchen-Staat-Beziehungen und säkulare Ethik und tritt regelmäßig in britischen Medien als Sprecher säkularer Positionen auf, etwa zur Trennung von Staat und Religion, Religionsunterricht, symbolischen religiösen Privilegien und Menschenrechten.
Relevanz aus österreichisch-säkularer Perspektive
a) Internationale Netzwerkperspektive versus nationale Praxis
Aus österreichischer Sicht ist Copsons Fokus auf die internationale humanistische Szene wichtig. Österreichs säkulare Bewegung operiert in einem eigenen rechtlich-historischen Kontext (z. B. Staatskirchenrecht, konfessioneller Religionsunterricht, Kirchenbeitrag), hat aber ähnliche strukturelle Herausforderungen wie in Großbritannien: privilegierte Religionsgemeinschaften im öffentlichen Raum und politische Einflussnahme religiöser Akteur:innen. Copsons Perspektive zeigt, wie unterschiedliche nationale Traditionen binnen einer globalen säkularen Bewegung adressiert werden können.
b) Unterschiedliche Herangehensweisen an Säkularität
Copson benennt einen zentralen Streitpunkt: Soll Säkularismus als harte Trennung Staat–Religion verstanden werden, oder als Inklusion humanistischer Organisationen in Bereiche, die traditionell religiösen Akteur:innen vorbehalten sind? In Österreich wird dieser Konflikt ebenfalls geführt, etwa bei der Zulassung säkularer weltanschaulicher Angebote an Schulen oder bei Zivilfeiern. Copsons Analyse hilft, strategische Optionen säkularer Aktivist:innen zu reflektieren und gegebenenfalls zu schärfen.
c) Migration und säkulare Identität
Die Diskussion über Nichtglaubende aus religiösen Herkunftsgruppen ist für Österreich besonders relevant. In Europa wird säkulare Politik oft verkürzt auf „Kirche versus Staat“ reduziert; Copson erinnert daran, dass Nichtglaubende aus religiösen Communities eine wachsende und politisch relevante Gruppe darstellen, deren Bedürfnisse und Interessen in säkularen Organisationen bislang nicht ausreichend berücksichtigt werden. Auch in Österreich stellt sich die Frage, wie säkulare Organisationen inklusive, pluralistisch und schlagkräftig zugleich sein können.
Politisch-gesellschaftliche Einordnung
Positiv:
- Die Folge bringt strategische Reflexion in die Debatte über Säkularität, staatliche Neutralität und internationale Menschenrechtsarbeit.
- Sie zeigt, dass säkulare Bewegung weltweit vernetzt ist und kulturelle Unterschiede produktiv verarbeitet werden müssen.
- Copsons Perspektive verhindert eine rein lokale Sicht auf Säkularismus und öffnet den Blick für transnationale Herausforderungen.
Kritisch:
- Copsons Ansatz bleibt intellektuell und organisatorisch, weniger konfrontativ politisch. Für Österreich fehlt der direkte Bezug zu konkreten institutionellen Privilegien wie Kirchenbeitrag, staatskirchenrechtlicher Sonderstellung oder konfessionellem Religionsunterricht.
- Die Folge bietet wenig direkte politische Handlungsempfehlung für säkulare Reformen im österreichischen Kontext; sie ist eher Analyse als Politikentwurf.
Fazit
Diese Folge ist wertvoll für das strategische Verständnis säkularer Bewegungen, weil sie internationale Dynamiken, Spannungsfelder zwischen unterschiedlichen Organisationstypen und die Pluralisierung säkularer Identitäten thematisiert. Für die österreichische säkulare Debatte liefert sie Impulse, insbesondere zur Frage, wie säkulare Politik nicht nur rechtliche Trennung, sondern auch gesellschaftliche Repräsentation und inklusive Organisation denken kann. Sie ersetzt allerdings keine konkrete politische Agenda, sondern ist eher Analyse-Resource für Aktivist:innen und Expert:innen.
Links
(1) Podcastfolge „Andrew Copson, CEO Humanists UK and former president of Humanists International“: https://podcasts.apple.com/de/podcast/andrew-copson-ceo-humanists-uk-and-former-president/id1836815978?i=1000740118657
(2) Zeno.FM Inhaltsbeschreibung zur Folge
https://zeno.fm/podcast/secular-matters/episodes/andrew-copson-ceo-humanists-uk-and-former-president-of-humanists-international/
(3) Wikipedia-Eintrag zu Andrew Copson
https://en.wikipedia.org/wiki/Andrew_Copson
(4) Humanists UK – Hintergrund zur Organisation
https://en.wikipedia.org/wiki/Humanists_UK

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