Update: An die Redaktion „kreuz und quer“ | Offener Brief

Der ORF hat geantwortet:

Sehr geehrter Herr Dr. Gradert,

herzlichen Dank für Ihre Nachricht und Ihre Fragen!

Schon bisher hat „kreuz & quer“ nie nur religiöse und kirchlich geprägte Stimmen präsentiert, sondern auch säkulare, nicht-religiöse und auch religionskritische Perspektiven eingebracht. In Dokus etwa über ethische Fragen oder das Verhältnis zwischen Religion und Naturwissenschaften kommen immer wieder auch Fachleute aus Forschung und Wissenschaft zu Wort, die keinen religiösen Hintergrund haben.

In einigen Dokumentationen hat „kreuz & quer“ Religionskritik dezidiert thematisiert, etwa in „Es gibt keinen Gott! – Atheisten machen mobil“, „Gott behüte! Ein Atheist sucht eine Religion“ oder „Ich glaub, ich glaub nicht mehr“.

Bei der Neuaufstellung der Marke „kreuz & quer“ haben diese Perspektiven selbstverständlich ihren Platz im Portfolio unserer Formate. In „kreuz & quer plus“ am 16.11. ist eine Folge ausdrücklich über Atheismus geplant: Dirk Schuster, Religionswissenschaftler und Atheist, spricht über seine Überzeugung, dass es keinen Gott gibt, und erläutert zudem die Geschichte des Atheismus.

Als „ORF für alle“ versuchen wir, die pluralistische Gesellschaft und ihre unterschiedlichen, auch divergierenden Entwicklungen abzubilden. Entgegen heute erstarkten Tendenzen zu simplifizierenden Freund-Feind-Bildern und „kompromisslosen“ ideologischen Standpunkten versuchen wir mit unserm Programm, Diskussionen zu fördern, die zwar die Unterschiede und Gegensätze klar benennen, aber dennoch mit Respekt vor der Meinung und Überzeugung des jeweils anderen geführt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Tatzreiter
mag. helmut tatzreiter
„kreuz und quer“
Religion und Ethik multimedial | PD 8

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ORF – Abteilung Religion und Ethik
Hugo-Portisch-Gasse 1
1136 Wien

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Humanistische Verband Österreich verfolgt mit Interesse ihre Ankündigung, dass die Sendungsmarke kreuz und quer künftig ausgebaut und um neue Formate ergänzt werden soll. Der Anspruch, über Philosophie, Ethik und Sinnfragen zu berichten, ist für eine pluralistische Gesellschaft zweifellos wichtig.

In Ihrer Ankündigung ist jedoch vor allem von religiösen Zugängen die Rede. Gerade weil viele Menschen in Österreich ohne kirchliche Bindung in konfessioneller Freiheit leben und dennoch nach Orientierung, ethischer Reflexion und Antworten auf Sinnfragen suchen, möchte ich Sie fragen:

  • Welche nicht-kirchlich verorteten ethischen Perspektiven sollen in den neuen Formaten zur Sprache kommen?
  • Wie gedenken Sie, säkulare Themen wie Menschenrechte, Wissenschaftsethik, bioethische Debatten, Demokratie, Freiheit und Menschenwürde einzubeziehen?
  • Wird auch der moderne Humanismus als eigenständige weltanschauliche Tradition berücksichtigt, die ohne religiöse Grundlagen auskommt und doch eine reiche Philosophie und Praxis ethischer Orientierung bietet?

Aus humanistischer Sicht wäre es ein Gewinn, wenn „kreuz und quer“ nicht nur religiöse und kirchlich geprägte Stimmen präsentiert, sondern auch jene, die sich aus einem säkularen, rationalen und menschenzentrierten Verständnis heraus mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinandersetzen.

Als öffentlich-rechtlicher Sender trägt der ORF eine besondere Verantwortung: Er muss die Vielfalt weltanschaulicher Orientierungen sichtbar machen und darf sich nicht auf die Wiederholung kirchlicher Narrative beschränken. Humanistische, säkulare Perspektiven sind kein Randthema, sondern ein wesentlicher Bestandteil einer offenen, demokratischen Gesellschaft.

Wir würden uns über eine Stellungnahme freuen, wie Sie beabsichtigen, diesen Teil der gesellschaftlichen Realität in „kreuz und quer“ abzubilden.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Gradert
Sprecher Humanistischer Verband Österreich


Der ORF hat den Eingang der Mail bereits bestätigt:

Ihre E-Mail ist bei uns eingelangt. Wir werden diese sobald wie möglich beantworten.
Freundliche Grüße
Ihr ORF-Team

Das freut mich…

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