Verbotene Lektüre: Diese Bücher hat Donald Trump in den USA nun aus Schulbibliotheken entfernen lassen

Donald Trump haut gerade auf alles ein, was ihm nicht passt und mischt sich im Zuge dessen auch in die US-amerikanische Bildung ein. So hat er jüngst ein Dekret verfasst, wodurch bestimmte Bücher nicht mehr in Schulbibliotheken erhältlich sein dürfen, die ihm und seinen radikal-konservativen Anhänger*innen inhaltlich nicht passen.

Donald Trump hat Bücher aus Schulbibliotheken entfernen lassen

Laut Trump seien lediglich solche Bücher entfernt worden, in denen es „um eine radikale Indoktrinierung“ gehe und setzt damit durch, dass zunehmend nur Werte und Meinungen an Schulen gelehrt werden, die mit seinen eigenen konform gehen. Denn: Alle christlichen Bücher, in denen wirklich indoktriniert wird, sind von ihm natürlich erwünscht. So viel also zu einem Mangel an Meinungsfreiheit in Europa, wie ihn Trumps Vizekanzler Vance bei der Münchener Sicherheitskonferenz behauptet und sich damit vor der Weltöffentlichkeit lächerlich gemacht hat.

Schon die Nazis haben Bücher verboten – nun also Donald Trump

Trump behauptet zum Beispiel, Kinder würden in Schulen erst trans-geschlechtlich gemacht. Damit diskriminiert und diskreditiert er die komplette Trans-Community und sorgt durch sein Dekret nun einmal mehr dafür, dass Trans-Menschen in den USA weiterhin und noch mehr ausgegrenzt werden als es eh schon der Fall ist.

Parallel dazu richtet Trump seinen literarischen Unmut gegen Bücher, die „diskriminierende Gleichstellungsideologie“ propagieren würden. Er behauptet zudem: Strukturelle Ungleichheit gäbe es gar nicht. Daher, so seine verquere Logik, seien alle Maßnahmen, die sich gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie und dergleichen wenden würden, ihrerseits diskriminierend. Klingt bekloppt und wahnsinnig? Wir würden nicht widersprechen.

Das einzige Buch, das Donald Trump am Herzen liegt, ist sein eigenes. Dass er es wirklich selbst geschrieben hat, glaubt indes niemand.

Foto: Spencer Platt, Getty Images

Durch das Verbannen bestimmter Bücher aus Schulbibliotheken versucht Donald Trump nun Themen, die ihm ein Dorn im Auge sind, kleinzumachen. Nehmen wir nur mal das Beispiel Rassismus, das in den USA seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten ein nicht enden wollendes Riesenthema ist, das zum einen nicht kleinzureden, zum anderen kaum in den Griff zu kriegen ist. Das einzige, was man tun kann, ist (vor allem junge) Menschen diesbezüglich aufzuklären. Trump verhindert das nun jedoch, indem er Kindern den Zugang zu einer Bildung erschwert, die dafür sorgen könnte, dass es weniger Rassismus im Land gibt.

Unter dem Deckmantel einer sogenannten „patriotischen Ausbildung“ versucht er, das Alltagsthema Rassismus unter den Teppich zu kehren, von dem er als alter, weißer, reicher Mann natürlich nicht betroffen ist. Zeitgleich hat er staatliche Fördermittel für Produktionen rund um Diversität und Rassismus streichen lassen, wodurch zusätzlich verhindert wird, dass es mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit gibt. Bei einem solchen Angriff auf die Meinungsfreiheit ist man von einer diktatorischen Zensur in den USA daher nicht mehr weit entfernt.

Trump hat allerdings keine konkrete Liste an Büchern vorgelegt, die es aus den Bibliotheken zu entfernen gilt. Es ist Auslegungssache der jeweiligen Schulleitung, welche Bücher man künftig in den entsprechenden Bibliotheken nicht mehr vorfinden wird. Aber insbesondere die Verantwortlichen der etwa 160 Pentagonschulen, in denen Kinder von US-Militärs unterrichtet werden, sind wie die Lemminge den Anweisungen des Präsidenten gefolgt und haben bereits erste Bücher aus ihren Bibliotheken entfernen lassen, von denen sie der Meinung sind, die seien Donald Trump ein Dorn im Auge. Dazu gehören unter anderem folgende fünf Bücher:

1. „No Truth Without Ruth: The Life of Ruth Bader Ginsburg“ von Kathleen Krull und Nancy Zhang

Bei No Truth without Ruth handelt es sich um eine Bilderbuchbiografie über Ruth Bader Ginsberg. Kennen Sie nicht? Vielleicht kennen Sie sie unter Ihrem Spitzname „Ruthless Ruthie“. Auch nicht? Sollten Sie aber! Sie war immerhin nicht nur eine der ersten Frauen, die jemals Richterin am obersten Gerichtshof der USA war (und entsprechend hart dafür kämpfen musste), sondern auch eine Verfechterin der Gleichberechtigung, Kämpferin für unbedingte Gerechtigkeit, Ikone des Feminismus und Vorbild für viele Mädchen und Frauen in den USA – aber auch im Rest der Welt.

Denn während ihres gesamten Studiums und ihres Berufslebens wurde sie diskriminiert – allein weil sie eine Frau war. Etwas, von dem Donald Trump und sein Team, das vorwiegend aus anderen alten, weißen, reichen Männern besteht, behauptet, so etwas gäbe es nicht. In diesem Buch wird ihre empowernde Geschichte erzählt – und die ist einem Populisten wie Donald Trump natürlich ein Dorn im Auge.

2. „Freckleface Strawberry“ von Julianne Moore

Julianne Moore kennt man vor allem als herausragende Schauspielerin. Aber sie hat auch einen Kinderbuchklassiker geschrieben, nämlich Freckleface Strawberry (in Deutschland ist das Buch unter dem Titel Sommersprossenfeuerkopf erschienen). Darin geht es um ein rothaariges Mädchen, das seine Sommersprossen hasst, wegen denen es häufig gemobbt wird, aber letztlich lernt, damit zu leben – eine total ermutigende Geschichte für all jene, die mit einem vermeintlichen Makel leben müssen bzw. die von anderen gesagt bekommen, sie hätten einen solchen Makel (dabei sind Sommersprossen natürlich toll, eh klar).

Doch auch ein solches Buch, an dem man wirklich nur als mieser Mensch etwas schlecht finden kann, will Donald Trump verbieten lassen. Er hat das Verteidigungsministerium angehalten, auch dieses Buch darauf zu prüfen, ob es „möglicherweise mit der Gender-Ideologie oder der Gleichstellungsideologie in Verbindung stehe“. Ganz ehrlich, eine Regierung, die allen Ernstes ein Programm startet, das hart gegen Diversitäts-, Gleichstellungs- und Integrationsprogramme durchgreift, ist von der Diktatur nicht mehr weit entfernt.

3. „Genderqueer“ von Maia Kobabe

Die Comicautobiografie Genderqueer von Maia Kobabe gilt als Klassiker der LGBTQIA*-Community. Darin verarbeitet die Autorin ungemein einfühlsam und empathisch ihre lebenslange Suche nach sich selbst: Wie sie in den Neunzigerjahren als Teenager das Gefühl hatte, in einem Körper zu leben, der nicht zu ihren Gefühlen passt. Sie fühlte sich nicht als Mädchen, wollte aber auch kein Junge sein und mäanderte auf diese Weise in einem undefinierten Zwischenraum, in dem sie keinen Halt fand. Sie fragte sich: Kann sie denn weder Junge noch Mädchen sein? Geht das?

Genderqueer ist nicht nur ein ganz fantastisches Comic, sondern auch eine tolle Geschichte über Identitätsfindung, die vielen jungen Menschen helfen dürfte, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Dass Donald Trump und seine Anhänger tatsächlich gegen so etwas vorgehen, ist wirklich ein Armutszeugnis.

4. „American Street“ von Ibi Zoboi

Donald Trump und seine Vasallen haben aber nicht nur etwas dagegen, dass Vertreter der LGBTQIA*-Community gleichberechtigt behandelt werden und es Literatur gibt, die ihnen gegebenenfalls helfen kann. Donald Trump will auch People of Color weiterhin ausgrenzen und alles, was mit Rassismus zu tun hat, am liebsten unter den Tisch kehren und so tun, als gäbe es Rassismus nicht. Dass es Rassismus aber sehr wohl gibt und PoC tagtäglich darunter leiden müssen, interessiert ihn dabei nicht – Trump ist eben weder ein besonders großer Anhänger der Wahrheit, noch des Einstehens für Benachteiligte.

Logisch, dass er daher auch das Buch American Street am liebsten für immer verbannen würde – dabei hat Autorin Ibi Zoboi dafür jede Menge Preise gewonnen und war Finalistin des National Book Award. 

American Street ist eine inspirierende Coming-of-Age-Geschichte, für die Ibi Zoboi auf ihre eigenen Erfahrungen als haitianische Einwanderin zurückgreift. Es geht darin um Fabiola Toussaint, die auf der Suche nach einem besseren Leben in die USA auswandert. Doch der Traum platzt schnell, als ihre Mutter von der US-Einwanderungsbehörde festgehalten und drangsaliert wird. Absolut lesenswert!

5. „The Hate U Give“ von Angie Thomas

Ebenfalls auf Donald Trumps Abschussliste steht die Autorin Angie Thomas. Warum? Weil sie ebenfalls ein Buch geschrieben hat, indem sie auf Rassismus aufmerksam macht und die Probleme von People of Color thematisiert.

Protagonistin von The Hate U give ist die 16-jährige Starr. Die wächst in einem Armenviertel auf, geht aber auf eine Privatschule – und ist damit einige von ganz wenigen PoC dort. Als ihr bester Freund Khalil eines Tages vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, verändert sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen. Denn als landesweit über Khalils Tod berichtet wird, gehen viele verschiedene Menschen in seinem Namen auf die Straße, während die Polizei versucht, das Thema herunterzuspielen – und die anfängt Starr, die immerhin Zeugin ist, unter Druck zu setzen.

Sollte man unbedingt lesen, gerade weil Donald Trump und seine Mitläufer dagegen sind.


Ausstellungshinweis

Jahrzehntelang sammelte Georg P. Salzmann (1929-2013) jene deutschsprachige Literatur in Erstausgaben, die in der Zeit des Nationalsozialismus verboten war und 1933 in deutschen Städten öffentlich verbrannt wurde. Hunderte Regalmeter mit Romanen, Gedichten und Theaterstücken – geschrieben von Jüdinnen und Juden, politisch Andersdenkenden und vielen weiteren, die in den Augen der neuen Machthaber keine Daseinsberechtigung mehr hatten. In dieser einzigartigen, einst privaten Büchersammlung ist somit ein großer Teil jener Autorinnen und Autoren dokumentiert, die auf den Schwarzen Listen der Nazis standen, die ins Exil flüchten mussten, teilweise inhaftiert und ermordet wurden. Als beeindruckende Schau deutscher Literatur des 20. Jahrhunderts ist die Sammlung Georg P. Salzmann in der Universitätsbibliothek Augsburg jedoch kein museales Denkmal. Sie lädt vielmehr dazu ein, die zusammengetragenen Texte und Kontexte, die literarischen Schätze und Schicksale dieser Epoche zu entdecken. Treten Sie ein und lernen Sie die Bibliothek der verbrannten Bücher kennen!

Der Besuch der Ausstellung war für mich sehr beklemmend, dennoch empfehle ich einen Besuch, sei er nun virtuell oder persönlich. Und vor zwei jahren hätte ich nicht einmal daran gedacht, dass es dorthin wieder kommen könnte.

Die „Bibliothek der verbrannten Bücher“ präsentiert die im nationalsozialistischen Deutschland verbotene und verfemte deutschsprachige Literatur in Erstausgaben. Ihren Kern bilden die Werke jener Autor:innen, die auf den sogenannten Schwarzen Listen der Nationalsozialisten standen und die am 10. Mai 1933 in mehr als 20 deutschen Universitätsstädten öffentlich verbrannt wurden, zum Beispiel Lion Feuchtwanger, Irmgard Keun, Hermann Kesten, Stefan Zweig und Franz Werfel. Viele Betroffene mussten im NS-Staats um Leib und Leben fürchten, gingen ins Exil oder fielen dem Holocaust zum Opfer.

Die weltweit einmalige Sammlung wurde von  Georg P. Salzmann (1929-2013) aus Gräfelfing bei München in jahrzehntelanger Arbeit zusammengetragen. Seit Juli 2009 ist sie im Besitz der Universitätsbibliothek Augsburg, wo sie der interessierten Öffentlichkeit und allen Forschenden, Lehrenden und Lernenden zur Verfügung steht.

Eine Online-Ausstellung führt in die Werke der Sammlung und Schicksale der verfemten Autor:innen ein. Auch die Frage, wie Georg Salzmann zu den verbrannten Büchern fand, wird hier beantwortet.

  • Die übernommene Sammlung umfasste rund 8800 Titel, darunter etwa 7000 verschiedene Ausgaben der im NS-Staat verfemten Belletristik – überwiegend in Erstausgaben. Durch Zukäufe der Bibliothek ist der Bestand auf rund 9700 Titel angewachsen.
  • Gesammelt wurden auch Zeitschriftenhefte und Almanache mit Erstdrucken sowie die im Exil und nach 1945 entstandenen Werke und ausgewählte Forschungsliteratur.
  • Mehr als 300 Autor:innen des 20. Jahrhunderts sind in der Sammlung vertreten. Von rund 30 sind die Erstausgaben vollständig oder nahezu vollständig vorhanden.

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