Weltflüchtlingstag 2025
Am 20. Juni 2025 steht der Weltflüchtlingstag ganz im Zeichen der globalen Solidarität mit über 122 Millionen Menschen auf der Flucht – darunter mehr als 13 Millionen in Europa. Er erinnert uns daran, dass Flüchtlinge Teil unserer Menschheitsfamilie sind und konkrete Solidarität brauchen.
Ursprung & Bedeutung
Seit 2001 – 50 Jahre nach Inkrafttreten der Genfer Flüchtlingskonvention – ruft die UN am 20. Juni jährlich zu Veranstaltungen, Kampagnen und politischem Dialog auf, um Schutz, Rechte und Respekt für Menschen auf der Flucht einzufordern.
Gesundheit als Menschenrecht
2025 steht im Fokus, das Recht auf Gesundheit konsequent umzusetzen. Die WHO fordert eine faire, kultursensible Gesundheitsversorgung inklusive Notfallversorgung, psychischer Betreuung und Integration in reguläre Systeme.
Kinder besonders gefährdet
Noch nie waren so viele Kinder auf der Flucht: Allein aus der Ukraine kommen etwa 3,7 Millionen minderjährige Geflüchtete. UNICEF engagiert sich mit Bildungsprogrammen, Impfkampagnen und psychosozialer Hilfe, um ihre Zukunft zu schützen.
Globale Appelle & Verantwortung
UN-Generalsekretär António Guterres erinnert eindringlich daran: “Flüchtlinge gehören zur Menschheitsfamilie.” Mit UNHCR und WHO bekräftigt er: Kein Mensch darf zurückgelassen werden – weder gesetzlich, gesellschaftlich noch gesundheitlich.
Österreichisches Engagement – Organisationen & Initiativen
- Integrationshaus (Wien):
Sichtbarkeit, Kulturarbeit, psychosoziale Begleitung - Asylkoordination Österreich – Bürgerlkopf:
Unterstützung bei Wohnen und Arbeitsmarktintegration - Diakonie & Caritas:
Berufliche, rechtliche und psychologische Unterstützung - SOS Mitmensch:
Antidiskriminierung, Menschenrechte, politische Wirkung - Asyl in Not:
Rechtliche Beratung und zivile Protestformate - Flüchtlingsprojekt Ute Bock:
Unterbringung, Beratung, Integration - IGGiÖ, MJÖ, ALIF:
Interkulturelle Betreuung, Dolmetschen, psychosoziale Begleitung - Queer Base (Wien):
Schutz, Beratung und Gemeinschaft für LGBTIQ-Geflüchtete - Säkulare Flüchtlingshilfe Österreich:
Rechtliche Begleitung für religionsfreie und ex-muslimische Geflüchtete
Exponiert: Doro Blancke – Flüchtlingshilfe Lesbos
Eine der engagiertesten Personen in der österreichischen NGO-Landschaft: Doro Blancke arbeitet seit über zehn Jahren unermüdlich mit Geflüchteten in Lesbos und an der EU-Außengrenze.
Ich kenne Doro seit vielen Jahren, habe heute noch mit Ihr telefoniert. Bei einem ihrer nächsten Wienbesuche wird sie uns im Humanistischen Café in Wien berichten, außerdem planen wir einen dezidierten Artikel zu den Menschenrechten.

- Ihre NGO versorgt regelmäßig Hunderte Geflüchtete mit Lebensmitteln, sauberem Wasser, Kleidung, medizinischer Grundversorgung, Sprachunterricht und Rechtsberatung.
- Sie dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und treibt politische Veränderungen an: “Niemanden zurücklassen” ist ihr Credo.
- Die Auszeichnung mit dem Menschenrechtspreis des Landes Steiermark 2022 bestätigt ihr langjähriges Engagement.
- Ebenso das goldene Ehrenzeichen des Landes Steiermark, der Elfriede Grünberg Preis 2022, der Prix Courage 2021 und der Ute-Bock-Preis 2020 für Fairness Asyl mit Doro Blancke als Vorstandsmitglied
- Zusammenarbeit mit österreichischen NGOs wie Asylkoordination, Diakonie, SOS Mitmensch und Caritas stärkt die zivilgesellschaftliche Vernetzung.
- Ihr Projekt Snapshots from the Borders dokumentiert Menschenleben an der EU-Grenze via Radio Helsinki – Erfahrungsberichte aus Lesbos erreichen so ein breites Publikum .
Exponiert: Ute Bock – Flüchtlingsprojekt
Seit Mai 2002 unterstützt das Flüchtlingsprojekt der bereits 2018 verstorbenen Ute Bock als NGO in Wien geflüchtete Menschen, die Hilfe benötigen: Mit einer Basisversorgung sowie dabei, sich zu integrieren. Vom ersten Ankommen bis die Menschen auf ihren eigenen Beinen stehen können. Unkonventionell, rasch und immer genau dort, wo sie als Hilfsorganisation benötigt werden.
Ich habe mit Ute viel zu tun gehabt, als ich Betriebsleiter des Salzburger Erstaufnahmelager, später Verteilzentrums Kobenzl war. Auch sie – eine großartige Frau!

- Sozialberatung: Hilfestellung bei Behörden, Organisationen und Einrichtungen, Beratung zum Asylsystem und der Grundversorgung, Vermittlung an Rechtsberater, Aufklärung über Rechte und Pflichten, medizinische und therapeutische Versorgung, Unterstützung bei der Wohnungssuche und Kontakten zu Schulen und Kindergärten.
- Unterstützung bei der Grundversorgung: Bereitstellung von Lebensmitteln, Kleidung und Dingen des täglichen Bedarfs, Soforthilfe.
- Unterbringung: Vermittlung von Wohnraum und Notschlafstellen, insbesondere für obdachlose Klienten.
- Bildungsangebote: Deutschkurse, Erwachsenenbildung, Vermittlung von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, Perspektivenklärung.
- Engagement gegen Vorurteile: Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung für die Situation von Flüchtlingen und zur Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.
- Unterstützung bei der Integration: Hilfe beim Ankommen, Vermittlung von Jobs und Kontakten zu Vereinen und Organisationen.
- Freiwilligenarbeit: Der Verein bietet Möglichkeiten zur Mitarbeit als Zivildiener, Praktikant oder Ehrenamtlicher in verschiedenen Bereichen.
Exponiert: Petar „Pero“ Rosandić – SOS Balkanroute
SOS Balkanroute engagiert sich für die Menschen, die beinahe komplett aus den Nachrichten verschwunden sind und organisiert seit 2019 entlang der Balkanroute Sammelaktionen und Spendentransporte. Außerdem leisten sie medizinische Versorgung und haben ein Helfer:innen-Netzwerk entlang der Balkanroute aufgebaut. Im Jahr 2020 erhielt SOS Balkanroute den Ute-Bock-Preis für Zivilcourage.
Der HVÖ kennt Petar über unsere gemeinsame Mitgliedschaft beim Klagsverband, und ich muss zugeben, Petar ist ein cooler Typ 🙂

- Sammelaktionen und Spendentransporte: SOS Balkanroute organisiert regelmäßig Sammelaktionen für Sachspenden wie Kleidung, Schlafsäcke, warme Kleidung und Handys, die dann zu den Flüchtlingen an der Balkanroute transportiert werden.
- Medizinische Versorgung: Die Organisation leistet medizinische Hilfe für Flüchtlinge, die oft ohne ausreichende medizinische Versorgung an den Grenzen ausharren müssen.
- Aufbau eines Helfer:innen-Netzwerks: SOS Balkanroute hat ein Netzwerk von Helfer:innen entlang der Balkanroute aufgebaut, um die Hilfe vor Ort zu koordinieren und zu unterstützen.
- Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen: Die Organisation hat die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen, wie illegalen Zurückweisungen (Pushbacks) und Gewalt an den Grenzen, mitinitiiert und setzt sich für die Aufdeckung und Verurteilung solcher Vorfälle ein.
- Unterstützung lokaler Initiativen: SOS Balkanroute unterstützt lokale Hilfsorganisationen und Initiativen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, und stärkt deren Arbeit.
- Sensibilisierung der Öffentlichkeit: Die Organisation führt auch Diskussionen und Informationsveranstaltungen durch, um das Bewusstsein für die Situation von Flüchtlingen an der Balkanroute zu schärfen und eine breite Öffentlichkeit zu mobilisieren.
Fazit
Am Weltflüchtlingstag 2025 stehen Gesundheit, Schutz und Integration im Zentrum internationalen Handelns.
Initiativen wie die von Doro, Ute und Petar zeigen: Solidarität kann direkt, sichtbar und nachhaltig sein – lokal und global.
Humanistische Perspektive zum Weltflüchtlingstag 2025
Der Mensch im Mittelpunkt – kein „Wir“ ohne „Sie“
Aus humanistischer Sicht ist der Weltflüchtlingstag kein Gedenktag wie jeder andere – sondern ein Prüfstein für unsere Werte. Denn wer an Humanität glaubt, kann nicht gleichzeitig Grenzen höher ziehen, Schutzrechte aushöhlen oder die Anderen in Notlagern ausharren lassen. Humanismus heißt: Jeder Mensch ist Träger von Würde, Rechten und Freiheit – unabhängig von Pass, Herkunft oder Religionszugehörigkeit. Punkt.
Engagement – konkret & wirksam
- Spenden – unterstützt internationale Organisationen (UNO-Flüchtlingshilfe, UNICEF) und lokale NGOs (Queer Base, Säkularer Flüchtlingshilfe, Doro Blancke).
- Freiwilligenarbeit – hilft direkt in Beratung, Flüchtlingshäusern, Fahrdiensten und Workshops.
- Politisches Handeln – für legale Fluchtwege, Gesellschaftsschutz und Klimagerechtigkeit eintreten.
Solidarität – Bedingungen
Humanistische Ethik denkt universal: Sie kennt keine Flüchtlinge zweiter Klasse, keine Abstufung von Schutzwürdigkeit. Ob vor Krieg, Hunger, Klimawandel oder Verfolgung geflohen – wer Schutz braucht, hat ein Recht darauf. Humanist:innen fordern daher:
- Legale Fluchtwege statt Todesrouten
- Sofortigen Zugang zu Gesundheit, Bildung und menschenwürdigem Wohnen
- Volle Gleichberechtigung – sozial, rechtlich und politisch
Flucht – kollektive Verantwortung
Ein humanistischer Blick auf Flucht bedeutet auch: Wir sind Teil der Ursachen. Waffenexporte? Die sind Westlich. Klimawandel? Global erzeugt – lokal zerstörerisch. Handelsungerechtigkeit? Strukturell kolonial. Deshalb trägt der globale Norden Verantwortung, nicht aus Altruismus, sondern aus Gerechtigkeit. Solidarität ist kein Akt des Großmuts, sondern ein Akt der Selbstachtung.
Kritik am politischen Diskurs – als Abschluss
Derzeit dominieren in der EU Begriffe wie Abschreckung, Migrationsdruck, illegale Migration, sie dehumanisieren und entkoppeln das Schicksal von Menschen von ihrer Geschichte. Und entscheiden Wahlen.
Humanist:innen fordern, die Sprache der Politik wieder an Empathie, Fakten und Verantwortung auszurichten. Flucht ist kein Verbrechen. Schutz zu gewähren auch nicht.
Links
- UNIS Wien – Botschaft Guterres:
https://unis.unvienna.org/unis/de/pressrels/2025/unissgsm1504.html - WHO Europa – Weltflüchtlingstag & Gesundheit:
https://www.who.int/europe/de/news-room/events/world-refugee-day-2025–in-solidarity-with-refugees-and-their-right-to-health - UNICEF Deutschland – Kinder auf der Flucht:
https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/-/weltfluechtlingstag-fragen-und-antworten/355844 - UNO-Flüchtlingshilfe:
https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/informieren/aktuelles/weltfluechtlingstag - UNHCR Schweiz – Kampagnen:
https://www.unhcr.org/ch/aktiv-werden/internationale-kampagnen/weltfluechtlingstag-2025 - Integrationshaus Wien:
https://www.integrationshaus.at/de/newsarchiv/weltfluechtlingstag - Asylkoordination Österreich – Bürgerlkopf:
https://www.asyl.at/de/home/schwarzes-brett/buerglkopf/ - Säkulare Flüchtlingshilfe Österreich:
https://atheist-refugee-relief.at/ - Queer Base:
https://queerbase.at/ - SOS Mitmensch:
https://www.sosmitmensch.at/ - Asyl in Not:
https://www.asyl-in-not.org/ - Flüchtlingsprojekt Ute Bock:
https://fraubock.at/ - Diakonie – Flucht & Integration:
https://www.diakonie.at/unsere-themen/flucht-und-integration - Doro Blancke – Flüchtlingshilfe Lesbos:
https://doroblancke.at/ich-bin-online/ - ITUC – Arbeitsrechte:
https://www.ituc-csi.org/weltfluchtlingstag-2025-wurde?lang=en - Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein – Klimagerechtigkeit statt Abschottung:
https://www.frsh.de/artikel/zum-weltfluechtlingstag-2025-fordert-der-fluechtlingsrat-sh-klimagerechtigkeit-statt-abschottung - Caritas: Recht auf Familie ist Menschenrecht
https://religion.orf.at/stories/3230729/ - Weltflüchtlingstag: Südwind fordert sichere Wege, Familiennachzug und politische Teilhabe
https://www.suedwind.at/weltfluechtlingstag-suedwind-fordert-sichere-wege-familiennachzug-und-politische-teilhabe/ - Volkshilfe zum Weltflüchtlingstag: Für Menschenrechte und eine offene Gesellschaft
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20250617_OTS0102/volkshilfe-zum-weltfluechtlingstag-fuer-menschenrechte-und-eine-offene-gesellschaft
Die österreichische Presse hält sich heute, am 20. Juni 2025, noch vornehm zurück.

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