Welthumanist:innentag | Wien leuchtet

Wien braucht ein Zeichen für Humanist:innenein Zeichen für Konfessionsfreie.

In Wien wird Vielfalt gefeiert. Menschen unterschiedlicher Religionen treffen sich zum gemeinsamen Fastenbrechen im Rathaus. Der Religionsrat bringt viele Glaubensrichtungen an einen Tisch. In der Seestadt entsteht ein großer Campus der Religionen, wo acht Glaubensgemeinschaften ihre Häuser bauen. Das zeigt: Wien will offen und gerecht sein.

Aber eine große Gruppe bleibt unsichtbar: Menschen ohne Religion. Konfessionsfreie, Humanist:innen, Agnostiker:innen und Atheist:innen. Sie glauben nicht an Götter, sondern an Vernunft, an Mitgefühl und an die Würde jedes Menschen.

Und sie sind keine kleine Minderheit, in Wien gehören mehr Menschen keiner Religion an als irgendeiner Kirche oder Gemeinschaft. Trotzdem gibt es für sie kein sichtbares Zeichen. Darum fordern wir gemeinsam: Am 21. Juni, dem Welthumanist:innentag, soll das Wiener Rathaus beleuchtet werden. Als Zeichen für Offenheit. Für Gleichbehandlung. Und für die vielen Menschen, die ohne Religion leben und denken.

Was jetzt folgt, ist unser offener Brief an die Stadtregierung von Wien:


An
Bürgermeister Dr. Michael Ludwig
Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr
Vizebürgermeisterin Kathrin Gaál
sowie die Mitglieder des Wiener Gemeinderats

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Ludwig,
sehr geehrter Herr Vizebürgermeister Wiederkehr,
sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin Gaál,
sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderats,

wir wenden uns als Humanistischer Verband Österreich und als Zusammenschluss engagierter Bürger:innen und Organisationen an Sie, die sich einer humanistischen Weltanschauung im Sinne der internationalen „Erklärung des modernen Humanismus“ verpflichtet fühlen. Wir möchten dabei insbesondere folgenden Grundsatz hervorheben:

„Wir lehnen jede Form von Rassismus und Vorurteilen sowie die daraus resultierenden Ungerechtigkeiten ab. Stattdessen wollen wir das Gedeihen und die Gemeinschaft der Menschheit in all ihrer Vielfalt und Individualität fördern.“

Mit großer Wertschätzung beobachten wir, dass die Stadt Wien sich zunehmend als pluralistische und weltoffene Metropole versteht. Veranstaltungen wie der Wertekonvent Prinzip Wien am 14. November 2024 in der Hofburg – bei dem über 200 Vertreter:innen aus Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft,  Religionsgemeinschaften und Verwaltung über die Grundwerte des Zusammenlebens diskutierten, sind Ausdruck dieses Bekenntnisses zur Vielfalt.

Auch das jährlich stattfindende gemeinsame Fastenbrechen (Iftar) im Wiener Rathaus ist ein starkes Zeichen für die Anerkennung religiöser Gemeinschaften in unserer Stadt. Am 27. März 2025 fand dieses interreligiöse Iftar erneut im Festsaal des Wiener Rathauses statt, auf Einladung der Stadt Wien und der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Diese Veranstaltung steht symbolisch für das gelebte Miteinander in Wien und unterstreicht das Bekenntnis der Stadt zu Vielfalt und Dialog.

Darüber hinaus wurde mit dem Wiener Religionsrat ein bedeutendes Forum für den interreligiösen Austausch geschaffen. Dieses Gremium, das regelmäßig tagt, fördert den respektvollen Dialog zwischen den anerkannten Religionsgemeinschaften. Derzeit wird gemeinsam an einer Wiener Grundsatzerklärung gearbeitet, die zentrale Prinzipien des Zusammenlebens wie Toleranz, Gleichbehandlung und Respekt festhält.

Ein weiteres herausragendes Projekt der Stadt ist der Campus der Religionen in der Seestadt Aspern. Der Campus soll nicht nur den Gläubigen dienen, sondern ausdrücklich auch der breiten Öffentlichkeit offenstehen, als lebendiges Symbol für das friedliche Miteinander in einer vielfältigen Stadtgesellschaft.

Diese beispielhaften Initiativen zeigen eindrucksvoll das Engagement der Stadt Wien für religiöse Vielfalt und interkulturellen Dialog. Was bislang jedoch fehlt, ist ein sichtbares Zeichen für die größte Gruppe der Menschen, die keiner Religion angehören, und dennoch tief in die Stadtgesellschaft eingebunden sind.

Obwohl konfessionsfreie die größte weltanschauliche Gruppe in Wien darstellen, sind sie im öffentlichen Raum weitgehend unsichtbar. Auch Geflüchtete, die aufgrund ihrer säkular-humanistischen Überzeugungen verfolgt wurden, finden in Wien Schutz, doch auch hier erleben sie häufig Vorurteile und Diskriminierung. Der jährlich erscheinende Freedom of Thought Report von Humanists International sowie die Liste säkularer Gefangener von Projekt 48 e.V. dokumentieren die prekäre Lage für nichtreligiöse Menschen weltweit.

Selbst in Österreich erleben Humanist:innen strukturelle Benachteiligung, etwa durch rechtliche Sonderrechte religiöser Gruppen, aber auch durch symbolische Ausschlüsse in Bildungseinrichtungen oder im öffentlichen Raum. Der Bericht Gläserne Wände des Instituts für Humanistische Politik belegt diese Ungleichbehandlung eindrucksvoll.

Daher fordern wir die Stadt Wien auf, ein sichtbares Zeichen zu setzen und am 21. Juni – dem Welthumanist:innentag – das Wiener Rathaus symbolisch zu beleuchten.

Eine solche Geste ist ein überfälliges Zeichen der weltanschaulichen Gleichbehandlung. Sie würde das humanistische Engagement für Menschenwürde, Solidarität, Wissenschaft und Aufklärung sichtbar machen und die offene, diverse Stadt Wien um eine Dimension bereichern, die bislang fehlt: die öffentliche Anerkennung nichtreligiöser Weltanschauungen.

Die unterzeichnenden Personen und Organisationen repräsentieren ein breites Spektrum: von sozialer Arbeit über Bildung und Kultur bis hin zu religionskritischem Engagement. Gemeinsam eint uns das Anliegen, dass auch humanistische Überzeugungen als gleichberechtigter Teil unserer vielfältigen Gesellschaft anerkannt und sichtbar werden.

Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung und eine erstmalige Realisierung im Jahr 2025.

Mit freundlichen Grüßen

NGO 1

NGO 4

NGO 2

NGO 5

NGO 3

NGO 6

Privat 1

Privat 4

Privat 2

Privat 5

Privat 3

Privat 6

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