Stellungnahme von Humanists Hungary zu den Parlamentswahlen 2026

Die Ergebnisse der Parlamentswahlen 2026 stellen einen bedeutenden Moment für Ungarn dar. Mit einer hohen Wahlbeteiligung haben die Bürger:innen ihren demokratischen Willen und ihren Wunsch nach Veränderung zum Ausdruck gebracht.

Als Humanist:innen sind wir nicht an politische Parteien gebunden. Unser Engagement gilt der Menschenwürde, der Freiheit des Denkens, dem Pluralismus und einer evidenzbasierten Politik. Dieses Engagement brachte uns in Gegensatz zu den Maßnahmen der bisherigen Regierung. Dennoch betrachten wir das Wahlergebnis nicht als Sieg einer Seite über die andere, sondern als Chance, die demokratische Kultur und die Institutionen in Ungarn zu stärken.

Wir fordern die neue politische Führung auf, die Rechtsstaatlichkeit zu wahren, die Unabhängigkeit der Institutionen sicherzustellen und transparent sowie verantwortungsvoll zu regieren. Gleichzeitig betonen wir, dass Demokratie fortwährendes zivilgesellschaftliches Engagement, kritisches Denken und Respekt für unterschiedliche Perspektiven erfordert.

Dies ist nicht nur ein Moment des politischen Übergangs, sondern eine Gelegenheit zur Erneuerung – eine Chance, sich hin zu einem offeneren, reflektierteren und menschlicheren öffentlichen Leben zu entwickeln. Humanists Hungary bleibt diesem Prozess durch Dialog und die Förderung humanistischer Werte verpflichtet.

Die Ungarische Atheistische Vereinigung zeigt sich erleichtert über das Ende einer Ära, die Ministerpräsident Viktor Orbán als „illiberale christliche Demokratie“ bezeichnet hat und die mit weitreichenden Verletzungen grundlegender Menschenrechte einherging, insbesondere der Freiheit des Glaubens und des Gewissens. Während seiner Amtszeit kam es zur strafrechtlichen Verfolgung von Atheist:innen und Humanist:innen sowie von religiösen Menschen, die sich einem säkularen Rechtsstaat verpflichtet fühlen.

Nun blicken wir auf eine Regierung, die erklärt hat, die Rechte aller Menschen unabhängig von ihren Überzeugungen zu achten, und auf einen Ministerpräsidenten, der Atheist:innen wiederholt ausdrücklich als Teil der ungarischen Gesellschaft anerkannt hat.

Unser Einsatz für Säkularismus, Humanismus und die Vertretung von Atheist:innen bleibt unverändert. Wir hoffen, dass sich unsere Arbeit künftig auf konstruktiven Dialog statt auf dauerhafte Konfrontation konzentrieren kann.


Die Parlamentswahlen 2026 in Ungarn sind kein Schlussstrich, sondern ein Prüfstein dafür, wie stabil die Demokratie wirklich ist. Wer das nur als Wechsel der Regierung sieht, greift zu kurz. Es geht nicht um Personen, sondern darum, ob das politische System wieder klar nach Recht und nach weltlicher Ordnung funktioniert.

Die Jahre unter Viktor Orbán haben gezeigt, wie leicht demokratische Einrichtungen nach außen bestehen bleiben können, während ihr Inhalt ausgehöhlt wird. Der Begriff „illiberale Demokratie“ war kein leeres Wort, sondern ein klares Programm: Rechte wurden eingeschränkt und staatliche Macht mit einer bestimmten Weltanschauung verknüpft. Wer daraus nichts lernt, wird ähnliche Entwicklungen auch anderswo zu spät erkennen.

Auch aus Österreich betrachtet ist das keine ferne Angelegenheit. Die Unterschiede sind kleiner, als oft behauptet wird. Demokratien brechen selten plötzlich zusammen. Sie verändern sich schrittweise, oft so, dass jeder einzelne Schritt noch erklärbar wirkt. Erst im Nachhinein erkennt man das ganze Bild.

Die Erwartungen an die neue Regierung sind daher kein höflicher Wunsch, sondern das Nötigste: eine klare Trennung der Gewalten, nachvollziehbares Handeln, echter Schutz für Minderheiten und eine deutliche Trennung zwischen Staat und Religion. Entscheidend ist, ob diese Grundsätze fest verankert werden oder später wieder aufgeweicht werden können.

Humanistische Positionen sind dabei einfach: Menschenrechte gelten immer, für alle. Jede Person darf glauben, was sie will – oder auch nicht glauben. Und staatliches Handeln muss sich an Vernunft und überprüfbaren Gründen orientieren. Das klingt selbstverständlich, ist es aber offensichtlich nicht.

Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Wenn aus Streit wieder Gespräch werden soll, dann nur unter der Bedingung, dass grundlegende Rechte nicht wieder zur Verhandlung stehen. Humanist:innen werden das nicht einfach hinnehmen, sondern genau hinschauen, Kritik üben und widersprechen, wenn es nötig ist.


Ich möchte den ungarischen Humanist:innen meinen Dank aussprechen für ihre klare Haltung und ihre Ausdauer in schwierigen Zeiten.

Ihr Einsatz für Menschenrechte, Freiheit und eine offene Gesellschaft verdient Respekt.

Für die kommenden Jahre wünsche ich Euch vor allem eines: eine einfachere Zukunft – eine, in der Ihr Eure Arbeit nicht mehr im ständigen Gegenwind leisten müsst, sondern im Raum für Dialog, Vernunft und gegenseitigen Respekt.

Andreas

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2 Kommentare

  1. Reinhard Schler sagt:

    Dass es eine Ungarische Atheistische Vereinigung gibt, habe ich bis heute nicht bemerkt!

    Es wundert mich aber nicht, wenn man bedenkt, dass der Staat, in dem die Ungarn leben mussten, eine illiberale Demokratie eingerichtet hat.

    Ich freue mich auf ein demokratisches Ungarn in Europa!

  2. Andreas sagt:

    Ja, die gibt es, die MATT, seit vielen Jahren schon ihr Präsident ist Tamas Waldmann

    Sie sagen von sich selbst:

    Magyar Ateista Társaság (MATT) ist kein Philosophenverein, sondern eine Interessenvertretung. Das bedeutet, dass sie neben ihrem Atheismus eine Reihe von Werten definiert, die ihr Handeln leiten. Diese Werte sind in ihrer Satzung festgelegt, die Folgendes besagt: Zweck des Vereins ist die Organisation einer atheistischen Gemeinschaft und die Förderung atheistischer Philosophie und säkularer Werte. Er fördert rationales, kritisches Denken auf der Grundlage wissenschaftlich belegter Fakten. Er schützt universelle menschliche Werte, säkulare Ethik und die Interessen all jener, die sich zu ihnen bekennen.

    In den letzten Jahrzehnten ist Atheismus in Ungarn aufgrund der unverantwortlichen Äußerungen einflussreicher Persönlichkeiten der aktuellen Politik zu einem Schimpfwort geworden. Da die atheistische Gemeinschaft zuvor nicht gut organisiert war, konnte ihre Meinungsbildung nicht annähernd so effektiv erfolgen wie die ihrer Kritiker, die mit Milliarden von Forint Steuergeldern unterstützt werden. Mit unserer Organisation möchten wir dies ändern und die genannten Ungleichheiten abbauen. Sie können unsere Arbeit mit einer Spende über den untenstehenden Link unterstützen. Leider haben wir keine Chance auf staatliche Förderung, obwohl sich in Ungarn mehr Bürger als Atheisten denn als Gläubige bezeichnen.

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Dr. Andreas Gradert
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