Moritz Terwesten | Sterben ohne Gott

Auch wir freuen uns, Moritz Terwesten in der Öffentlichkeitsarbeit für seinen Film unterstützen zu können, und besprechen als eine unbedingte Empfehlung diesen Film. Die Einzelinformationen erschienen bei der gbs und beim hpd.


Filmpremiere in Düsseldorf: In „Sterben ohne Gott“ geht es um eine säkulare Sichtweise auf den Tod

Was bleibt, wenn alles vorbei ist?

Ein neuer Dokumentarfilm, der am Samstag bei einer Veranstaltung des Düsseldorfer Aufklärungsdienstes (DA!) in einem Düsseldorfer Kino Deutschlandpremiere feierte, trägt den Titel „Sterben ohne Gott“. Das weckt eine Hoffnung. Die Hoffnung, Rat zu bekommen im Sinne von: Wie macht man das?

Natürlich kann der mit Hilfe der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) entstandene Film des Philosophiestudenten und 28 Jahre jungen Regisseurs Moritz Terwesten dieses Versprechen nicht einlösen. Er hat es freilich auch nicht ausdrücklich gegeben. Der 80-minütige Dokumentarfilm will ja auch gar nicht halten, was andere, die Religionen, vollmundig versprechen: Dass es nach dem Tod weiter geht – und zwar noch viel besser, noch viel schöner. Wer solchen Heilsversprechen nicht glauben mag, hat es schwerer. Und muss damit fertig werden, dass er jeden Moment aus diesem Leben scheiden kann, nur dieses eine Mal hier ist und niemals zurückkehren wird.

In dem Schwarz-Weiß-Film schneidet Regisseur Terwesten Interviews mit einem Philosophen (Franz Josef Wetz), einem Sozialpsychologen (Sheldon Solomon), einem säkularen Bestatter (Eric Wrede), einem Horrorfilm-Regisseur (Jörg Buttgereit), einem forensischen Biologen (Mark Benecke), einem Physiker (Lawrence Krauss) und einem Kulturkritiker (Wolfgang M. Schmitt) zusammen. Es werden die Ansätze diskutiert, auf die man stößt, wenn man sich mit dem Tod und dem Sterben befasst: Die Todesangst, das Verdrängen, die Gedanken darüber, wie es wäre, unsterblich zu sein. Oder auch darüber, was von einem bleibt, wenn es vorbei ist.

Wolfgang M. Schmitt
Absage an ein Weiterleben nach dem Tod

Einigermaßen bizarr erscheint dabei die Argumentation des Horrorfilm-Regisseurs Buttgereit, der für einen seiner Filme Überreste von Schweinen hat verwesen lassen und diesen Prozess in seinen einzelnen Phasen filmisch festhielt. Und daraus doch tatsächlich so etwas wie Zuversicht schöpft. Als er gesehen habe, wieviel Leben aus toten Schweinen durch die sie zersetzenden Maden entsteht, sei das für ihn doch auch tröstlich gewesen: „Man existiert irgendwie weiter.“

Jörg Buttgereit

Philosoph Wetz kann diese Sichtweise nicht teilen: So etwas erschrecke die Menschen allenfalls. Auch die Idee, der Verstorbene lebe nach seiner Verwesung in der Substanz eines Baumes fort, neben dem er begraben wurde, sei völliger Unsinn:

Es gibt dort kein Ich, das dort fortleben könnte.

Franz Josef Wetz

Er ist sich mit dem Biologen Mark Benecke einig: Der Gedanke, dass Rückstände der eigenen personalen Existenz als Dünger noch irgendwie da seien, habe nichts mehr mit dem verstorbenen Individuum zu tun. Wetz sagt es drastisch, wenn er sich darauf bezieht, dass auf Grabsteinen zu lesen ist: Hier ruht in Frieden …

Hier ruht niemand, und schon gar nicht in Frieden, dort fault in der Erde bestenfalls…

Trotzdem sind Orte wie Gräber oder auch ein Baum, neben dem der oder die Verstorbene beerdigt ist, wichtig für die Hinterbliebenen. Um etwas Fassbares für das Unfassbare zu haben. Doch das ist etwas anderes als der Glaube an ein Weiterleben. Biologe Benecke erklärt, warum dieses Weiterleben evolutionsbiologisch auch gar nicht funktionieren kann:

Sterben und Sex dienen dazu, künftige neue Umweltbedingungen überleben zu können.

Eine Generation muss abtreten, um der nächsten Platz zu machen, die den Veränderungen der Umwelt angepasst ist.

Mark Benecke

Was er damit meint, hat vor vielen Jahren einmal der längst selbst verstorbene Wissenschaftsjournalist Hoimar von Ditfurth erklärt:

Ohne Tod gäbe es keine Evolution. Die Evolution ist außerstande, auch nur ein einziges Lebewesen zu verändern. Jedes stirbt mit derselben genetischen Ausstattung, mit der es auf die Welt kam. Evolution kann nur in der Abfolge einander ablösender Generationen stattfinden. Eine Generation kann aber nur dann auf die andere folgen, wenn diese andere ihr durch ihr Verschwinden den Platz freimacht.

Und doch gibt es die Versuche, die Illusionen, sich wenigstens ein bisschen unsterblich zu machen. Etwa durch Kryonik, mittels derer der eigene Körper oder auch nur der eigene Kopf bei minus 160 Grad eingefroren wird, um eines Tages wieder zum Leben erweckt zu werden. Benecke hält es für Lebenszeitverschwendung, sich mit so etwas zu beschäftigen. Der einzelne Mensch solle sich nicht zu wichtig nehmen.

Sich für den Schönsten und Wichtigsten zu halten, darüber kann ich nur lachen.

Diskutiert wird in dem Film auch eine zumindest aufgeschobene Sterblichkeit – dass man weiter existiert durch seine Nachkommen. Oder dass die eigenen Werke, ein Buch oder ein Kunstwerk noch Jahre nach dem eigenen Tod rezipiert werden. Solche Gedanken hatte schon Woody Allen weggewischt, als er sagte:

Ich will nicht in meinen Büchern und Filmen weiterleben, sondern in meinem Appartement.

Für Wetz, der sich in seinem Buch „Tot ohne Gott“ (Alibri Verlag) intensiv mit dem Thema befasst hat, machen sich Menschen ehrlich, wenn sie sich anonym beerdigen lassen. An Orten, wo nichts mehr an sie erinnert.

Ein anonymes Urnengrab nimmt nur vorweg, was 30 Jahre später ohnehin eintritt: Es gibt keine Erinnerungszeichen mehr.

Eine pompöse Bestattung dagegen vermittle nur den Eindruck der Hilflosigkeit gegenüber der Grausamkeit des Ereignisses, das mit bunten Blumen überdeckt werden soll.

Sheldon Solomon

Alles in allem keine schönen Aussichten. Philosoph Wetz nimmt eine sprachliche Anleihe bei den Religionen, wenn er das Wort Demut in den Mund nimmt:

Wir können dem Tod sein Gewicht nehmen, wenn wir uns klar machen: Ich bin sehr sehr klein, marginal, ein Klecks im Weltall. Das nimmt meinem Leben sein Gewicht und damit auch meinem Tod.“ Mit dem Tod könne man sich nur arrangieren, „mehr ist nicht drin.

Da haben die Religionen mit ihren Heilsversprechen wahrlich mehr zu bieten. Mark Wrede, der sympathische säkulare Bestatter, der auch in dem Film interviewt wird und sich selbst als Atheist bezeichnet, ist sich selbst nicht sicher, wie er mal drauf sein wird, wenn das letzte Stündlein für ihn geschlagen hat. Ob er dann vielleicht glaubt: „Den Typ da oben gibt es doch.“

Nach dem Film stellten sich Regisseur Moritz Terwesten und Philosoph Franz Josef Wetz, der auch Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung ist, im Kinosaal den Fragen des Premierenpublikums.

Moritz Terwede und Mark Wrede

Adelheid Wich, Mitglied im Düsseldorfer Aufklärungsdienst, kritisierte, dass hier ausschließlich Männer interviewt wurden und brachte es so auf den Punkt:

Adelheid Wich

Für mich ist das ein Film von Männern für Männer mit Männern. Er zeigt die Denkweise von Männern, dieses Beleidigtsein durch den Tod, etwas schaffen zu wollen für die Ewigkeit, sich nicht damit abzufinden.

Und dann sagte die Düsseldorferin:

Ich habe zehn Jahre als säkulare Trauersprecherin gearbeitet, für mich ist es sehr beruhigend, dass das Leben irgendwann zu Ende ist, so wie jedes schöne Erlebnis. Dann schläft man ein und dann ist gut.

Dieses Statement, zumal von einer Frau, hätte auch dem Film gut getan.„"


Die giordano bruno stiftung schreibt wie folgt:

Wie gehen wir mit dem Tod um, der uns alle irgendwann einholt? Wie reagiert der moderne Mensch, dem Gott längst als veraltetes Konzept erscheint, auf die unaufhaltsame Realität des eigenen Todes und den Verlust seiner Liebsten? Diesen Fragen geht der studierte Philosoph Moritz Terwesten in seinem ersten Dokumentarfilm nach, der – mit Unterstützung der Giordano-Bruno-Stiftung – im März 2025 bundesweit in die Kinos kommt.

Der Film »Sterben ohne Gott« greift die Frage auf, wie wir, ohne auf religiöse Trostversprechen zurückzugreifen, mit der Unausweichlichkeit des Todes umgehen können. Er beleuchtet die Todesangst als universelles, biologisch verankertes Phänomen und zeigt, wie unsere Kultur darauf reagiert. Dazu hat er ganz unterschiedliche Gesprächspartner vor die Kamera geholt – vom Bestatter Eric Wrede, der mit »Sterben für Beginner« ein Millionenpublikum erreichte, über den amerikanischen Physik-Theoretiker Lawrence Krauss, dem Berliner Kultregisseur Jörg Buttgereit bis zu dem bekannten Forensiker Marc Benecke.

Lawrence Krauss

Eine tragende Rolle im Film spielt der humanistische Philosoph (und gbs-Beirat) Franz Josef Wetz, dessen Buch »Tot ohne Gott. Eine neue Kultur des Abschieds« eine wichtige Inspirationsquelle für den Filmemacher war. In der für ihn typischen Gelassenheit bringt Wetz dabei die Ungeheuerlichkeiten auf den Punkt, die wohl die meisten Menschen nicht wirklich wahrhaben wollen: »Gehen wir auf die Friedhöfe, dort lesen wir auf den Grabsteinen: ›Hier ruht in Frieden…‹ Aber dort ruht niemand – und schon gar nicht in Frieden! ›Dort fault in Erde‹, bestenfalls…«

Sterben ohne Gott ist ein sehenswerter, klug montierter Film, der die verschiedenen Aspekte unseres Umgangs mit dem Tod unterhaltsam und mit viel Tiefgang ausleuchtet! Er zeigt auf, was es bedeutet, wirklich zu leben, angesichts des unausweichlichen Endes, dem niemand von uns entfliehen kann. Deshalb freuen wir uns sehr, Moritz Terwesten in der Öffentlichkeitsarbeit für seinen Film unterstützen zu können.
Michael Schmidt-Salomon

Der Tod hat mich immer tief berührt – schon als Kind, als mein Bruder gegen einen Hirntumor kämpfte und ein enger Freund bei einem tragischen Unfall starb. Diese Erlebnisse führten mich früh zur Frage, wie wir mit dem Tod umgehen, besonders in einer zunehmend säkularen Welt, da ich mit Religion wenig anfangen konnte.

Die Frage, wie wir in einer säkularen Gesellschaft „ohne Gott“ sterben, wollte ich nicht nur persönlich, sondern auch gesellschaftlich beantworten. Interviews mit Philosophen, Psychologen und Kulturkritikern führten mich zur Terror-Management-Theorie von Sheldon Solomon, die zeigt, wie unsere Angst vor dem Tod unser Leben beeinflusst.

Der Film entwickelte sich zu einer philosophischen Auseinandersetzung: Nicht nur, wie wir mit dem Tod umgehen, sondern auch, wie wir mit der Wahrheit umgehen dürfen, wenn sie unerträglich wird. Hier hat mich Franz Josef Wetz beeinflusst, der unter anderem die ethische Frage aufwirft, ob es moralisch vertretbar ist, dem Sterbenden eine Lüge zu erzählen, um ihm in den letzten Tagen Frieden zu verschaffen.

Einen Film, der solche Fragen behandelt, wollte ich mit einem zeitlosen Look versehen. Als großer Fan von Saul Bass – der es wie kein anderer verstand, das Publikum thematisch zu „primen“, bevor der erste Dialog fiel – wollte ich den Inhalt in eine ähnliche Form gießen. Mit Animationen von unserem Motion Designer Arda Kilic, die größtenteils analog umgesetzt wurden, und der Entscheidung für einen Schwarz-Weiß-Look, der dem Film eine zeitlose
Qualität verleiht, werden die zentralen Themen vorweggenommen und der Zuschauer in die philosophischen Fragestellungen eingeführt, die sich im gesamten Film immer wieder stellen.
Moritz Terwesten

Die Filmpremiere findet am 15. März 2025 im UFA-Palast Düsseldorf statt (Einlass ab 16:45 Uhr, Beginn: 17:30 Uhr). Im Anschluss an den Film findet eine Podiumsdiskussion mit Franz Josef Wetz und Regisseur Moritz Terwesten statt. Ausrichter der Veranstaltung ist der Düsseldorfer Aufklärungsdienst, eine der Regionalgruppen der Giordano-Bruno-Stiftung.

»Sterben ohne Gott« (Dokumentarfilm, 80 Min., Deutschland 2024). Mit: Mark Benecke (Biologe & Forensiker), Lawrence Krauss (Theoretischer Physiker), Franz Josef Wetz (Philosoph & Ethiker), Sheldon Solomon (Sozialpsychologe), Jörg Buttgereit (Regisseur), Wolfgang M. Schmitt (Kulturkritiker), Eric Wrede (Bestatter & Autor) +++ Regie, Produktion, Drehbuch, Schnitt: Moritz Terwesten +++ Kamera, Schnitt, Sounddesign: Christopher Uhring +++  Motion Designer: Arda Killic  +++ Creative Consultant: Cihan Tamti +++ Ausführende Produzentin: Scherwin Hosseini +++ Casting: Yassine Bounab +++ Musik: Abdel Lamar / Salah Lamar +++ Verleih: barnsteiner-film.de.

Mark Benecke – Biologe, Forensiker
Lawrence Krauss – Theoretischer Physiker
Franz Josef Wetz – Philosoph & Ethiker
Sheldon Solomon – Sozialpsychologe, Begründer der TMT
Jörg Buttgereit – Regisseur
Wolfgang M. Schmitt – Kulturkritiker
Eric Wrede – Bestatter (bekannt aus Sterben für Beginner)


Und erste Kritiken:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert