Warum ich Hape Kerkeling gerne interviewen würde
Vor einigen Tagen bin ich über einen Artikel gestolpert, der Hape Kerkeling augenzwinkernd als möglichen Kandidaten für das deutsche Bundespräsidium ins Spiel brachte. Die Idee ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Und doch hat sie mich zum Nachdenken gebracht.
Denn je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass Hape Kerkeling etwas verkörpert, das in der Politik, in den Medien und manchmal sogar im gesellschaftlichen Diskurs selten geworden ist: Menschlichkeit.
Nicht die Menschlichkeit der Sonntagsrede. Nicht die Menschlichkeit als politisches Schlagwort. Sondern jene Menschlichkeit, die aus Lebenserfahrung entsteht. Aus Verlust, Scheitern, Zweifeln, Humor und der Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können.
Mich begleitet Hape Kerkeling schon seit meiner Kindheit. Das hat auch mit meiner Mutter zu tun. Sie war Holländerin. In unserer Familie wurde Niederländisch gesprochen, und irgendwann stellte irgendjemand fest, dass ich den niederländischen Akzent erstaunlich gut imitieren konnte. Das führte regelmäßig dazu, dass ich aufgefordert wurde, „den Hape“ zu machen. Seine niederländischen Figuren gehörten bei uns einfach dazu.
Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich mich später selbst intensiv mit Sprachen beschäftigt habe. Heute spreche ich neben Deutsch auch Niederländisch, Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch sowie einige slawische Sprachen. Dabei habe ich etwas gelernt, das man erst versteht, wenn man es selbst erlebt: Sprache ist weit mehr als Kommunikation.
Wer Menschen in ihrer Muttersprache begegnet, begegnet ihnen anders. Man versteht nicht nur die Wörter. Man versteht oft auch etwas von ihrer Geschichte, ihrer Kultur, ihrem Humor und ihrer Sicht auf die Welt.
Genau das hat mich an Hape Kerkeling immer fasziniert. Hinter vielen seiner Figuren stand nie bloß die Parodie. Dahinter stand Beobachtung. Menschenkenntnis. Die Fähigkeit, unterschiedliche Mentalitäten zu erkennen und liebevoll auf die Bühne zu bringen.
Vielleicht erklärt das auch seinen Erfolg. Er macht sich selten über Menschen lustig. Er macht sichtbar, was Menschen menschlich macht.
Dabei wäre es ein Fehler, Hape Kerkeling nur als Komiker zu betrachten. Er hat sich wiederholt für die Gleichberechtigung homosexueller Menschen ausgesprochen und die Einführung der Ehe für alle unterstützt. Dabei formulierte er einen Gedanken, der bemerkenswert humanistisch klingt: Eine Demokratie müsse sich daran messen lassen, wie sie mit Minderheiten umgeht.
Gleichzeitig ist er ein Mensch, der sich weder von politischen Lagern noch von religiösen Schubladen vereinnahmen lässt. Er spricht über Demokratie, gesellschaftlichen Zusammenhalt, seine Erfahrungen als homosexueller Mann, seinen Glauben und die Bedeutung menschlicher Beziehungen, ohne dabei jemals zum ideologischen Prediger zu werden.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich ihn gerne interviewen würde.
Nicht Hape Kerkeling, den Fernsehstar, nicht Hape Kerkeling, die Fernsehlegende, sondern Hans-Peter Kerkeling, den Menschen hinter den Rollen.
Mich interessiert nicht, welche Fernsehsendung die erfolgreichste war oder welcher Sketch heute noch Kultstatus besitzt. Das kann man alles nachlesen. Mich interessiert die Frage, wie ein Mensch über Jahrzehnte hinweg bei sich selbst bleibt, während Millionen Menschen glauben, ihn zu kennen.
- Wie verändert Öffentlichkeit einen Menschen?
- Was lernt man über Menschen, wenn man ein Leben lang in andere Rollen schlüpft?
- Was bedeutet Heimat für jemanden, der mühelos zwischen Kulturen und Sprachen wechseln kann?
- Wie verändert Verlust den Blick auf das Leben?
- Was bleibt am Ende übrig, wenn die Figuren die Bühne verlassen haben?
Ich habe ihm geschrieben, genau so. Vielleicht werde ich auf diese Fragen niemals Antworten erhalten. Vielleicht wird Hans-Peter Kerkeling meinen Brief niemals lesen. Aber manche Menschen haben einen Einfluss auf unser Leben, ohne dass sie es jemals erfahren.
Und manchmal ist genau das Grund genug, ihnen zu schreiben.

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